Wir schätzen Aktien zum Jahresende 2026 weiterhin positiv ein. Ein wichtiges Argument für diese Einschätzung ist, dass die Gewinnentwicklung an Breite gewonnen hat. In den USA wird für das durchschnittliche Unternehmen im S&P 500 im Jahr 2026 ein Gewinnwachstum von rund 16% erwartet, und Europa hat den stärksten Zyklus positiver Gewinnrevisionen seit drei Jahren verzeichnet.
Können die Gewinne die aktuellen Bewertungen weiterhin rechtfertigen oder steigt das Risiko einer Korrektur?
Die Gewinnentwicklung stützt die Bewertungen nach wie vor: Insbesondere in den USA bleibt sie aussergewöhnlich robust, und in Europa vollzieht sich einer der stärksten Zyklen positiver Gewinnrevisionen seit Jahren. Die Marktperformance hängt aber immer mehr vom KI-getriebenen Gewinnwachstum ab. Die Bewertungen sind immer noch angemessen, lassen jedoch weniger Enttäuschungen zu als noch vor einem Jahr. Vor diesem Hintergrund sind die Märkte anfälliger geworden, wodurch Volatilitätsschübe und Korrekturen wahrscheinlicher geworden sind. In diesem Jahr sehen wir aber die saisonalen Turbulenzen der Aktienmärkte, die häufig von September bis Ende Oktober auftreten und im Vorfeld der US-Zwischenwahlen zu erwarten sind, als Kaufgelegenheit und nicht als Rückzugsgrund.
Wo bieten die Aktienmärkte bis Ende Jahr attraktive Chancen?
KI: Die Ausgaben treiben die Konjunktur weiterhin an, doch das Wachstum gewinnt an Breite
Seit Juli hat sich die Marktführerschaft eindeutig über den KI-Bereich hinaus ausgeweitet. Unsere Aktienstrategen schätzen das strukturelle KI-Thema aber weiterhin positiv ein. Innerhalb dieses Segments bevorzugen sie Halbleiter und ausgewählte Softwareunternehmen gegenüber der Hardwarebranche, die mit einem rückläufigen Wachstum und höheren Speicherkosten zu kämpfen hat.
Kommunikation: Auch hier trägt KI Früchte
Unsere Analysten haben den Kommunikationssektor im Mai auf Übergewichten hochgestuft. Wichtig ist dabei, dass der Sektor äusserst heterogen ist und seine Performance sehr unterschiedliche Treiber hat: Internet- und digitale Werbeplattformen, aber auch traditionelle Telekommunikationsanbieter. Dieser Mix bietet Anlegern bei nach wie vor angemessenen Bewertungen sowohl strukturelles Wachstum als auch defensive Renditequellen. Der Sektor umfasst einige der grossen Hyperscaler, die wir zunehmend positiv beurteilen. Die verstärkte Monetarisierung von KI stützt das Umsatzwachstum, die Bewertungen sind attraktiver geworden, und wenn die Investitionsausgaben später weniger stark wachsen, könnte dies die Aussichten für die freien Cashflows nach dem 2027 erwarteten Tiefpunkt verbessern.
Biotechnologie und Medizintechnik: Unsere Favoriten im Gesundheitswesen
Der Gesundheitssektor bietet Diversifikationsmöglichkeiten über den KI-Bereich hinaus. Wir bevorzugen die Bereiche Biotechnologie und Medizintechnik, in denen uns die Innovationspipelines und die Margenprofile am stärksten überzeugen. Viele dieser Unternehmen gehören zu unserem Anlagethema «Genomik», das unser Next Generation Research positiv beurteilt, da es erwartet, dass die Entwicklungen in diesem Bereich ein wichtiger Treiber der Präzisionsmedizin bleiben werden. Da grosse Pharmaunternehmen vor erheblichen Patentabläufen stehen, bleibt die Nachfrage nach neuen klinischen Wirkstoffkandidaten und Innovationen robust. Die Pipeline für Präzisionsmedikamente wächst weiter, und das Gesundheitswesen setzt vermehrt auf personalisierte Behandlungsansätze. Deshalb sehen unsere Analysten den innovationsgetriebenen Gesundheitssektor weiterhin als attraktive langfristige Anlagemöglichkeit.
Europa: Die Perspektiven der Aktienmärkte hellen sich auf
Da immer mehr Sektoren positive Gewinnrevisionen verzeichnen und bei den Neuaufträgen im verarbeitenden Gewerbe die Zeichen wieder auf Wachstum stehen, haben sich die Aussichten für europäische Aktien aufgehellt. Hinzu kommen ein sich verbesserndes Wirtschaftsumfeld und ein robustes inländisches Wachstum. Ein bevorzugter Sektor bleiben europäische Banken, die unsere Analysten weiterhin übergewichten – dank einer starken Gewinnentwicklung, einer Ausweitung der Nettozinsmargen und einer robusten Kreditqualität. Als Aktionär wird man mit einer Ausschüttungsrendite von rund 7% in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen belohnt.
Zudem bevorzugen wir zurzeit auch ausgewählte zyklische Unternehmen, die von einer Belebung der Investitionstätigkeit profitieren könnten, Unternehmen, die einen erheblichen Teil ihres Umsatzes in Europa erzielen, sowie einzelne Titel mit klarem Erholungspotenzial. Solche Unternehmen finden sich insbesondere in den Branchen Automobilzulieferer, Bau, Grundstoffe und Chemikalien.
Auf Indexebene bevorzugen wir weiterhin die Peripherieländer Italien und Spanien: Seit sie von unseren Analysten im Mai auf Übergewichten hochgestuft worden sind, haben sie die Kernmärkte übertroffen. Ein zentraler Bestandteil globaler Aktienportfolios bleibt auch der Schweizer Markt, den wir angesichts seiner attraktiven Diversifikationsvorteile und seiner niedrigen, fast rekordtiefen relativen Bewertungen weiterhin positiv beurteilen.
Asien: Bleibt im Fokus und umfasst auch unsere bevorzugten Schwellenländer
Japan (Übergewichten) zählt zu den Hauptprofiteuren der zunehmenden KI-Investitionen, wobei die Renditen dank Lohnerhöhungen, fiskalischer Expansion und Unternehmensreformen immer breiter abgestützt sind. Singapur (Übergewichten) bietet nicht nur ein defensives Engagement – wodurch die mit der KI verbundene Volatilität abgefedert wird –, sondern profitiert auch von einer starken Währung und einem soliden Wirtschaftswachstum. Langfristiges Potenzial sehen wir in China und in Indien. In China (Übergewichten) konzentrieren wir uns auf Bereiche mit starkem strukturellem Wachstum; am stärksten überzeugt uns sein KI-Ökosystem, wobei wir sowohl Profiteure der Technologielokalisierung als auch Halbleiterunternehmen bevorzugen und zusätzliche Chancen in der Biotechnologie sehen. In Indien (Übergewichten) beurteilen unsere Analysten die Widerstandsfähigkeit der Binnenwirtschaft angesichts des starken Umsatzwachstums und der zunehmenden Kapitalzuflüsse ausländischer Investoren weiterhin positiv. Und schliesslich gehen wir davon aus, dass sich die positive Marktentwicklung über die technologielastigen Märkte Südkoreas (Übergewichten) und Taiwans (Neutral) hinaus ausweiten wird, wodurch sich Chancen in einem breiteren Spektrum asiatischer Sektoren und Unternehmen ergeben.
Antworten auf wichtige Fragen
Der Markt bestraft sowohl Unternehmen, die zu wenig in KI investieren, als auch solche, die zu viel in KI investieren. Was unterscheidet die Gewinner von den Verlierern?
Das Marktinteresse gilt immer mehr der KI-Monetarisierung und immer weniger den KI-Investitionen. Die Gewinner werden jene Unternehmen sein, die dank ihrer KI-Investitionen Umsatzwachstum, mehr Produktivität und stärkere Gewinne erzielen. Dabei werden Grösse, proprietäre Daten und Kundenbeziehungen zu entscheidenden Wettbewerbsvorteilen. Unternehmen hingegen, die aggressiv investieren, ohne klar aufzeigen zu können, wie sie damit Renditen erzielen werden, dürften von den Anlegern immer kritischer betrachtet werden. In der nächsten Phase der KI-Entwicklung dürfte es deshalb weniger darum gehen, wer am meisten für KI ausgibt, sondern vielmehr darum, wer KI am besten monetarisiert.
Können Chinas Innovations- und KI-Ambitionen das Anlegerinteresse wieder wecken, und wo liegen die besten Anlagemöglichkeiten?
Trotz anhaltender Herausforderungen im Immobiliensektor und beim Binnenkonsum entwickelt sich Chinas Innovationsökosystem weiterhin rasant. Chancen sehen wir insbesondere bei führenden chinesischen KI-Unternehmen, Softwareplattformen, Halbleiterunternehmen und Nutzniessern der Technologielokalisierung. Nach der jüngsten Korrektur sind die Bewertungen attraktiver geworden. Als Anlegerin oder als Anleger hat man jetzt die Möglichkeit, nicht nur in die traditionellen Wirtschaftssektoren, sondern auch in Chinas führende Unternehmen für Zukunftstechnologien zu investieren.