Die Weltwirtschaft passt sich dem Energieschock an. Seine Auswirkungen lassen dank des Ausbleibens weiterer Eskalationen allmählich nach, und das reale Wachstum ist trotz des kräftigen Ölpreisanstiegs robust geblieben. Unterstützt wird das Wachstum durch den deutlichen Anstieg der Investitionen in Verteidigung, Lieferketten, die Energiewende sowie in die Infrastruktur für künstliche Intelligenz (KI).

Dieser Anstieg der Investitionsausgaben, der teilweise durch umfangreichere Emissionen von Staatsanleihen finanziert wird, führt die Weltwirtschaft weg von dem Ersparnisüberhang, der die vergangenen zwei Jahrzehnte geprägt hat, hin zu einer grösseren Kapitalknappheit. Unsere Ökonomen bringen diesen Wandel mit der Formel «von der Sparschwemme zur Kapitaldürre» auf den Punkt. Dadurch sinkt der strukturelle Abwärtsdruck auf die Renditen von Benchmark-Anleihen, während der Inflationsdruck bestehen bleibt.

Wo soll man für den Rest des Jahres 2026 investieren? Unsere wichtigsten Einschätzungen

Aktien

Wir schätzen globale Aktien positiv ein. Starke Gewinne und die KI-Dynamik unterstützen US-Aktien, aber auch Asien – insbesondere China und Japan – spielt in der KI-Wertschöpfungskette eine zentrale Rolle. Indien bleibt mit seinem langfristigen Wachstumspotenzial attraktiv, während Singapur und die Schweiz defensive Qualitäten bieten. Wegen ihrer hohen Gewichtung von Banken und Stromversorgern bevorzugen wir inzwischen Spanien und Italien gegenüber Deutschland und Frankreich. Auf Sektorebene bietet Kommunikation eine attraktive Kombination aus KI-getriebenem Wachstum und robusten Cashflows. Attraktives Potenzial sehen wir auch bei ausgewählten Finanz- und Gesundheitswerten. Thematisch bevorzugen wir Branchen, die von steigenden Investitionsausgaben profitieren, darunter erneuerbare Energien und klassische Infrastruktur.

Anleihen

Gut verankerte Inflationserwartungen und voraussichtlich sinkende Ölpreise dürften die Anlageklasse unterstützen, während das derzeitige Renditeniveau für einen soliden Puffer gegenüber möglichen weiteren Zinsanstiegen sorgt. Vor diesem Hintergrund bevorzugen wir eine Übergewichtung der Duration, allerdings mit taktischer Flexibilität. Unser Fokus liegt auf Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating. GBP-Anleihen bieten sich zur Diversifikation an. Aufgrund ihrer attraktiven Realrenditen bevorzugen wir auch Anleihen aus Schwellenländern, und zwar sowohl in Hartwährung (als Kernallokation) als auch in Lokalwährung. Risikofreudigeren Anlegerinnen und Anlegern bieten zudem qualitativ hochwertige Emittenten spezifische Gelegenheiten, etwa über nachrangige Schuldtitel, die aufgrund ihrer Stellung in der Kapitalstruktur ein höheres Verlustabsorptionsrisiko aufweisen. Interessant kann auch das Hochzinssegment sein, das eine höhere Kreditrisikoprämie bietet.

Währungen

Der USD wird derzeit durch seine Funktion als sicherer Hafen, Zinserhöhungserwartungen, den KI-Investitionsboom sowie den Status der USA als Netto-Ölexporteur gestützt. Leistungsbilanzabflüsse und eine nicht tragfähige Haushaltslage deuten jedoch auf eine mögliche erneute Abwärtsbewegung hin. Der EUR könnte längerfristig profitieren, wenn die Wachstums- und Energieprobleme nachlassen. Aufgrund ihrer Rendite, der Unterstützung durch die Rohstoffmärkte und die straffere Geldpolitik der jeweiligen Zentralbanken bevorzugen wir auch den AUD und die NOK. Das GBP bietet ebenfalls eine attraktive Rendite, die Stimmung wird jedoch durch fiskalische Risiken und politische Unsicherheit getrübt. In den Schwellenländern bieten die lateinamerikanischen Währungen trotz anhaltender fiskalischer Risiken ein attraktives Carry.

Edelmetalle

Wir bevorzugen Gold, das nach wie vor durch die strukturelle Nachfrage der Zentralbanken und Safe-Haven-Käufe unterstützt wird. Silber hingegen ist nach seiner zweijährigen Rally hoch bewertet, was für eine vorsichtige Haltung spricht.

Alternative Anlagen

Die Privatmärkte stehen wegen höherer Zinsen und Bewertungsunsicherheiten unter Druck. Die Auswahl der richtigen Manager bleibt deshalb entscheidend. Im Private-Equity-Bereich bevorzugen wir Manager mit einer starken Umsetzungsbilanz und überzeugender operativer Wertschöpfung. Private Debt – insbesondere der Bereich der europäischen Direktkredite – bleibt aufgrund attraktiver Renditen, des Diversifikationspotenzials und der variablen Verzinsung interessant. Infrastrukturinvestitionen bieten potenziell resiliente, inflationsgebundene Cashflows und werden von langfristigen Wachstumstrends unterstützt – von KI bis hin zu erneuerbaren Energien. Bei Hedgefonds können Multi-Strategy- und Low-Volatility-Ansätze zum Kapitalschutz beitragen und gleichzeitig die Diversifikation eines Portfolios verbessern.

Häufige Fragen

Wie wirken sich die Ölpreise auf Inflation und Zinsen aus?

Die Ölpreisentwicklung beeinflusst die Inflation nach wie vor und veranlasst die Zentralbanken zur Vorsicht, bedroht das Wachstum aber weniger als in der Vergangenheit. Dies spiegelt sich in der gesunkenen Ölabhängigkeit der Weltwirtschaft wider, die zunehmend von Elektrifizierung und Effizienzsteigerungen geprägt ist. Die Wirtschaftsaktivität würde erst bei einem deutlichen weiteren Anstieg wesentlich leiden. Kurz gesagt: Die höheren Ölpreise mögen die Erwartungen an Zinssenkungen zunichtegemacht haben, dürften jedoch kaum eine Rezession auslösen – es sei denn, es käme zu einer ausgeprägten Ölkrise, wovon wir in unserem Basisszenario nicht ausgehen.

Ist der USD immer noch in einem Abwärtstrend, und welche Faktoren sind dafür ausschlaggebend?

Wir sehen keine gezielte Strategie der USA, den USD abzuwerten – im Gegenteil haben sie ein Interesse daran, den USD als Reservewährung zu erhalten. Ausserdem stützen die seit dem Ausbruch des Iran-Krieges gestiegenen Ölpreise den USD, da die USA von einem Nettoimporteur zu einem Nettoexporteur von Energie geworden sind. Unseres Erachtens dürfte der USD aufgrund struktureller Ungleichgewichte und der Diversifikation in andere Währungen eher schrittweise nachgeben.

Wie ist der Ausblick für wichtige Währungen wie den JPY, den CNY und den CHF?

Die langsame Normalisierung der Geldpolitik der Bank of Japan verleiht dem JPY nur begrenztes Aufwärtspotenzial. Gleichzeitig haben die Währungshüter signalisiert, einer weiteren Abwertung entschlossen entgegenzutreten. Der CNY ist unterbewertet und dient als regionaler Anker, während die chinesische Zentralbank das Tempo der Aufwertung steuert. Der CHF bleibt stark, wird aber durch die Interventionen der Schweizerischen Nationalbank gebremst.

Ist der Rohstoffsuperzyklus noch intakt?

Rohstoffe befinden sich eher in einem Superschock als in einem Superzyklus, da dauerhafte Angebotsengpässe, ein starkes Nachfragewachstum und ein allgemeiner Kostendruck weitgehend ausbleiben. Bemerkenswerterweise hat sich die Energiewirtschaft bei der Bewältigung des durch den Iran-Krieg verursachten Schocks als sehr innovativ erwiesen. Dennoch dürften wiederkehrende externe Schocks und Konjunkturzyklen dafür sorgen, dass die Anlageklasse volatil bleibt.

Ist es angesichts der schwachen Performance von Gold als sicherer Hafen während der jüngsten geopolitischen Spannungen noch sinnvoll, in Edelmetalle zu investieren?

Bei den Edelmetallen steht Gold weiterhin im Fokus. Anders als man erwarten könnte, gibt Gold in Phasen geopolitischer Spannungen oft nach, wenn der USD stärker wird. Der Iran-Krieg ist da keine Ausnahme – zumal Gold zuvor auf ein übermässig starkes Anlegerinteresse gestossen ist. Langfristig bleiben die fundamentalen Treiber des gelben Metalls jedoch intakt.

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