Laut Prognosen soll die Weltbevölkerung von heute sieben Milliarden auf nahezu zehn Milliarden im Jahr 2050 anwachsen. Dieser Anstieg und die veränderten Essgewohnheiten, die mit dem zunehmenden Wohlstand in den Entwicklungsländern einhergehen, stellen für die globale Nahrungsmittelkette eine echte Belastung dar. Der wachsende Mittelstand in den Entwicklungsländern kann sich zunehmend ressourcenintensivere Nahrungsmittel leisten, wie Fleisch und Milchprodukte. Dies ist mit ein Grund, dass die umweltbelastende Viehzucht zunimmt. Um alle Menschen umwelt- und ressourcenschonend ernähren zu können und die Nahrungsmittelsicherheit zu gewährleisten, muss sich die Nahrungsmittelindustrie rasch anpassen.

Fast drei Milliarden Menschen mehr zu ernähren

Die Schwellenländer werden die globale Nahrungsmittelnachfrage am stärksten beeinflussen, da sie 90% zum globalen Bevölkerungswachstum beitragen. Am kräftigsten wird die Bevölkerung im subsaharischen Afrika zunehmen, wo 25% der Menschen derzeit bereits unterernährt sind. «Der Pro-Kopf-Konsum dürfte dreimal schneller wachsen als in den Industrieländern und die lokalen Versorgungsketten in enorme Schwierigkeiten bringen», erklärt Norbert Rücker, Analyst von Julius Bär. Diesen Herausforderungen lässt sich nur mit einer beispiellosen Zusammenarbeit über die gesamte Wertschöpfungskette der Nahrungsmittelindustrie begegnen.

Nachhaltige Pflanzenerzeugung ein Gebot der Stunde

Am besten kann das Thema globale Nahrungsmittelsicherheit über nachhaltige Nahrungsmittelproduktionssysteme, namentlich die verstärkte Pflanzenerzeugung, angegangen werden. Die Pflanzenerzeugung hat sich in den letzten 50 Jahren bereits verdreifacht, weil der Ertrag pro Landeinheit sich erhöht hat und der Anbau intensiviert wurde. Doch die aktuellen Landwirtschaftssysteme können noch effizienter gestaltet werden, sofern neue und optimierte Landwirtschaftsmethoden und Agrarmanagementpraktiken genutzt werden. Die Pflanzenerzeugung kann auf einfache Weise nachhaltig intensiviert werden. Dazu müssten die Landwirte in den Entwicklungsländern Zugang zu Pflanzenschutz, Düngemitteln, modernen Pflanzensorten, verbesserter Bewässerung, modernen landwirtschaftlichen Geräten oder Fruchtfolge haben. Die Zeit drängt.

Pflanzenerzeugung muss sich verdoppeln

Infolge des prognostizierten Anstiegs der Weltbevölkerung um rund ein Drittel bis 2015 muss sich die Pflanzenerzeugung verdoppeln, um mit der höheren Nachfrage nach Getreide Schritt zu halten. Warum? Unser Planet muss nicht nur rund drei Milliarden Menschen mehr ernähren, sondern auch erheblich mehr Tiere, weil mit dem steigenden Wohlstand in den Entwicklungsländern auch der Fleischkonsum steigt. Die Daten zeigen tatsächlich eine enge Korrelation zwischen schnellem Wirtschaftswachstum und Fleischkonsum. Der globale Mittelstand wächst jährlich um rund 70 Millionen Konsumenten. Laut Prognose soll daher der Fleischkonsum von 2006 bis 2050 weltweit, vor allem aber in Indien und China, um über 23% steigen. «Die Konsumgewohnheiten dieser Menschen verlagern sich auf ressourcenintensive und hochwertige Nahrungsmittel, was einen zusätzlichen Belastungsfaktor für den Ernteertrag und die Fleischerzeugung darstellt», erklärt Norbert Rücker.

Die globale Nahrungsmittelverschwendung verringern

An die zentrale Komponente der Nahrungsmittelkette – die Nahrungsmittelerzeugung – gekoppelt ist die bessere Verwertung von Abfällen. «Von der Erzeugung bis zum Konsum verdirbt rund ein Drittel aller produzierten Nahrungsmittel oder wird verschwendet», erläutert Norbert Rücker. Nahezu eine Milliarde hungernde Menschen könnten mit weniger als einem Viertel der Nahrungsmittel, die in den USA und Europa verschwendet werden, ernährt werden. Gefragt sind dringend kreative Verbesserungen und eine engere Zusammenarbeit zwischen den Regierungen und der Nahrungsmittelbranche. Die eigene Verschwendung von Nahrungsmitteln zu reduzieren, ist ganz einfach: Essensreste essen, Mahlzeiten selber zubereiten, «Zu verbrauchen bis»-Daten als Empfehlung und nicht als in Stein gemeisselte Daten ansehen, an denen die verpackten Nahrungsmittel wegzuwerfen sind, oder Nahrungsmittel kaufen, die optisch nicht perfekt sind. Knapp 40% der Früchte und des Gemüses, das in Grossbritannien produziert wird, wird zurückgewiesen, noch bevor die Ware in den Verkauf kommt. Grund hierfür ist, dass Früchte und Gemüse die ästhetischen Standards der Einzelhändler häufig nicht erfüllen.

Abhängigkeit vom internationalen Handel

Der Grossteil der Länder ist vom internationalen Handel abhängig, um die Nahrungsmittelsicherheit zu gewährleisten. Genau acht Länder sind für durchschnittlich 70% der gesamten Getreideausfuhren in den letzten zehn Jahren verantwortlich. Trotzdem hat sich die Nahrungsmittelverfügbarkeit in den letzten Jahrzehnten verbessert. «Das Nahrungsmittelangebot im Nahen Osten und in Afrika ist breiter geworden. Allerdings wird nur wenig im Inland produziert. Ganz anders Brasilien, dessen Inlandsproduktion exponentiell gewachsen ist», sagt Norbert Rücker. Die Nahrungsmittelsicherheit bleibt unsicher in den ärmsten Ländern, die unter Preisschwankungen und Produktivitätsschocks am stärksten leiden und deren Bevölkerung unerwartete Preiserhöhungen auf importierten Nahrungsmitteln nicht verkraften kann. Würden sich die Betroffenen auf eine gemeinsame Handelspolitik verständigen, könnte die Nahrungsmittelknappheit in den Ländern, die am stärksten von Nahrungsmittelimporten abhängen, verringert werden.

Einzelhändler profitieren von den Konsumenten in Entwicklungsländern

Der Nahrungsmittelsektor in den Entwicklungsländern hat sich rasant gewandelt. Kauften die Konsumenten der aufstrebenden Volkswirtschaften früher die Nahrungsmittel auf traditionellen Märkten unter freiem Himmel und auf gedeckten Märkten, gehen sie dazu immer häufiger in den Supermarkt. «Die Einzelhändler konzentrieren sich in den Entwicklungsländern auf das Angebot von frischen Nahrungsmitteln. Von diesem Trend dürften die führenden Anbieter von Basiskonsumgütern profitieren», erläutert Norbert Rücker. Globale Einzelhändler und ihre regionalen Mitbewerber drängen nach wie vor auf diese lukrativen Märkte, um von den bestehenden Chancen zu profitieren. Sie sind nicht die einzigen. Dem Agrobusiness, das die Agrokultur, die Aquakultur, die Agrochemie, die Agrotechnologie und die Nahrungsmittelproduzenten umfasst, wird der beschriebene Trend ebenfalls zugutekommen.

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