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Schock, Rezession oder systemische Krise?

Die weltweite Ausbreitung des Coronavirus hat weitrechende Folgen für die Wirtschaft und Finanzmärkte. Christian Gattiker, Head of Research, erklärt drei mögliche Szenarien.

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Szenario 1: Rezession (75% Wahrscheinlichkeit)
Annahmen

  •  Ausbreitung schreitet weltweit voran, zum Teil unkontrolliert, und endet in China
  •  Scharfe Massnahmen bringen das öffentliche Leben zum Erliegen und zerstören das Vertrauen in die Wirtschaft

Konjunktur

  •  Virus-Schock beendet Konjunkturzyklus
  • Nachfrageschock bei Reisen/Tourismus/ Freizeit, Auswirkungen auf Gesamt-wirtschaft
  •  Unkonventioneller Stimulus 2.0 mit Negativzinsen oder Helikoptergeld
  •  Wachstum 2020: 1.5% weltweit, 0.3% USA, -0.4% Europa, 3.5% China

Kapitalmärkte

  •  S&P 500: 30% Abwärtspotenzial vom Höchst, Erholung auf 3’000; Spread US-BBB-Anleihen: Höchst bei 350 Basisp.
  • US-Treasuries: Anstieg auf 2%; Gold: Höchst über USD 1’625

Szenario 2: Systemische Krise (20% Wahrscheinlichkeit)
Annahmen

  • Pandemie ausser Kontrolle, zweite weltweite Ausbruchswelle
  • Gesundheitssysteme überlastet, scharfe Massnahmen beeinträchtigen den Alltag

Konkunktur

  • Virus-Schock führt zu einer Depression
  • Negative Feedback-Schleifen verschär-fen Krise: Schliessung der Kreditmärkte, Unruhen, geopolitische Umwälzungen
  •  Stimulierungsmassnahmen können eine Schuldenkrise der Unternehmen oder neues Aufflammen der Eurokrise nicht verhindern, Misstrauen sitzt zu tief
  •  Wachstum 2020: -0.6% weltweit, -0.6% USA, -1.7% Europa, 0.1% China

Kapitalmärkte

  • S&P 500: •<50% Abwärtspotenzial vom Höchst, Erholung auf 2’500; Spread US-BBB-Anleihen: Höchst bei 450 Basisp.
  • US Treasuries: Tiefst 0.2%; Gold: Höchst >USD 1’900; EUR/USD: Tiefst 1.00

Szenario 3: Schock (5% Wahrscheinlichkeit)
Annahmen

  • Ausbreitung schreitet weltweit voran, endet in China, Sterberaten sinken
  • Quarantänemassnahmen haben temporäre Auswirkungen auf Alltags-verhalten und Vertrauen in Wirtschaft

Konjunktur

  • Virus-Schock sorgt für scharfen Einbruch im Konjunkturzyklus
  •  Weltwirtschaftswachstum steigt mit Normalisierung des Konsums und der Lieferketten spät im Q2 und Q3 2020 wieder an, zunächst in China.
  • Zeitnahe geld- und fiskalpolitische Stimuli verlängern Zyklus bis Ende 2021
  • Wachstum 2020: 2.4% weltweit, 1.3% USA, 0.4% Europa, 4.7% China

Kapitalmärkte

  • S&P 500: Erholung auf 3’200; Spread US-BBB-Anleihen: Höchst bei 125 Basisp.
  • US-Treasuries: Anstieg auf über 2%; Gold: Rückgang auf USD 1’500

 

Auswirkungen auf die Weltwirtschaft
Es existiert eine Chance, dass die aktuelle Krisensituation noch glimpflich abläuft. Möglicherweise wird ein Impfstoff oder eine andere Form der Therapie gefunden, die den weiteren Ausbruch der Epidemie aufhalten kann. Das ist unserer Meinung nach jedoch leider eher unrealistisch.

Das wahrscheinlichere Szenario ist dass wir in eine schwere, weltweite Rezession fallen. Der Schock wird sich weiter ausbreiten und die bekannten Effekte mit sich führen Diese Dynamik wird so lange andauern, bis die Massnahmen der Politik und Notenbanken greifen. Die Epidemie wird abflauen, das Leben wird sich normalisieren und die Wirtschaft wird das im ersten Halbjahr 2020 verlorene Wachstum so gut es geht aufholen.  

Im dritten Szenario, der systemischen Krise, sind die getroffenen Massnahmen ohne Effekt. Zinssenkungen, Liquiditätsspritzen und Ausgabenpakete genügen nicht um sich gegen die aktuellen Verwerfungen zu stemmen. Im schlimmsten Fall würde dies zum Kollaps verschiedener Institutionen führen, mit katastrophalen Auswirkungen auf die Wirtschaft.

Auswirkungen auf die Finanzmärkte
Würden wir mit mit dem Schrecken davonkommen, würden sich die Preise und das Weltwirtschaftswachstum, wie in den letzten vierzig Jahren immer so geschehen, wieder fangen. Wir glauben jedoch nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 5% an dieses Schock-Szenario.

Wir gehen viel mehr davon aus, dass wir über den Sommer den langfristigen Schaden erkennen werden. Das Wachstum könnte sich halbieren, die Aktienkurse würden um 20-30% fallen. Wir hätten es mit einem negativen Gewinnwachstum über die nächsten zwölf Monate zu tun. Irgendwann würde sich der Zyklus jedoch wieder normalisieren. Wir gehen davon aus, dass inzwischen ein so grosser Druck auf der Politik lastet, dass wir in Richtung Herbst eine Normalisierung des wirtschaftlichen Lebens erkennen werden.

Im letzten Szenario, der systemischen Krise, wären wir mit weiterem Stress und noch tieferen Anlagepreisen konfrontiert. Das Wachstum würde komplett ausgelöscht und wir hätten es wahrscheinlich zum ersten Mal in den letzten vierzig Jahren mit einem negativen Weltwirtschaftswachstum zu tun.