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LIBOR-Ablösung

Interbank Offered Rates (IBORs) spielen eine zentrale Rolle an den Finanzmärkten und dienen als Referenzsätze für Derivate in Höhe von Hunderten von Billionen Dollar; für Anleihen, Darlehen, Verbriefungen und Einlagen in Höhe von Billionen Dollar. Diese Referenzsätze, darunter der London Interbank Offered Rate (LIBOR), der Euro Interbank Offered Rate (EURIBOR), der Euro Overnight Index Average (EONIA) und bestimmte andere IBORs, sind derzeit Gegenstand von Reformen.

Hintergrund der LIBOR-Ablösung

Die Aufdeckung von Fällen versuchter Marktmanipulation und falscher Berichterstattung über IBORs im Jahr 2012 sowie der Rückgang der Liquidität auf den unbesicherten Interbanken-Finanzierungsmärkten nach der Finanzkrise 2007-2008 haben das Vertrauen in die Zuverlässigkeit und Robustheit der bestehenden IBORs untergraben.

Infolgedessen hat die britische Financial Conduct Authority (FCA), die für die Überwachung des LIBOR-Referenzsatzes zuständig ist, am 27. Juli 2017 angekündigt, dass Panel-Banken ab 2022 nicht mehr verpflichtet sein werden, am LIBOR-Fixing teilzunehmen.

Auswirkungen für die Finanzindustrie

IBORs werden in einer grossen Anzahl von Finanzverträgen und Bewertungs-/Preisfindungssystemen referenziert. Was die betroffenen Akteure betrifft, ist die Landschaft ebenfalls vielfältig und umfasst Banken, Unternehmen, Versicherungen, Vermögensverwalter sowie Privatkunden. Da die FCA die Panel-Banken nach 2021 nicht mehr zum LIBOR-Fixing auffordern wird, wird der Übergang von den IBORs zu den sogenannten alternativen Referenzzinssätzen (Alternative Reference Rates, ARRs) alle Finanzinstitute betreffen und wesentliche Auswirkungen auf kommerzielle, prozessuale und technische Aspekte haben.

In Bezug auf jede betroffene Währung wurden Arbeitsgruppen eingerichtet, um diese ARRs zu entwickeln und den Übergang zu steuern.

Bestimmung der ARRs

In der Schweiz ist die Nationale Arbeitsgruppe für Referenzzinssätze in Schweizer Franken (NAG oder NWG) unter der Leitung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) das zentrale Gremium, das Reformvorschläge zur Ablösung des CHF-LIBOR ausarbeitet. Mit der Einführung des Swiss Average Rate Overnight (SARON) vor der Ankündigung der FCA 2017 hatte die NWG bereits einen entscheidenden Meilenstein für die Ablösung des CHF-LIBOR gesetzt.

Andere Arbeitsgruppen, die jeweils für eine der LIBOR-Währungen zuständig sind, haben verschiedene ARRs zur Ablösung des LIBOR evaluiert. Diese ARRs werden in der Regel von offiziellen Behörden wie Zentralbanken oder Börsen bereitgestellt und lassen daher wenig Spielraum für Manipulationen. ARRs sind Tageszinssätze, die ein geringes oder gar kein Kreditrisiko beinhalten. Ausserdem sind die Märkte, die den ARRs zugrunde liegen, wesentlich aktiver als die Märkte, die den IBORs als Grundlage dienen. Während also die IBORs in hohem Masse auf Expertenurteilen beruhen, sind die ARRs rein transaktionsbasiert.

Die folgende Tabelle fasst die aktuelle Situation für die Bestimmung des alternativen Zinssatzes in den fünf betroffenen Währungen zusammen.

Währung Rate-Administrator Arbeitsgrouppe Alternativer Referenzzinssatz (ARRs) Beschreibung des ARRs Veröffentlich-ungsdatum
CHF SIX Swiss Exchange National Working Group on CHF Reference Rates (NWG) Swiss Average Rate Overnight (SARON)
  • Gesichert (overnight repo rate)
  • Völlig transaktionsbasiert
Dezember 2017
USD Federal Reserve Bank of New York Alternative Reference Rates Committee (ARRC) Secured Overnight Financing Rate (SOFR)
  • Gesichert (deckt den ganzen Repo Markt ab)
  • Völlig transaktionsbasiert
  • Solider zugrundeliegender Markt
April 2018
GBP Bank of England Working Group on Sterling Risk-Free Reference Rates Reformed Sterling Overnight Index Average (SONIA)
  • Ungesichert und overnight
  • Völlig transaktionsbasiert
  • Solider zugrundeliegender Markt
April 2018
JPY Bank of Japan Study Group on Risk-Free Reference Rates Tokyo Overnight Average Rate (TONAR)
  • Ungesichert und overnight
  • Gewichtet nach Transaktionsvolumen
Dezember 2016
EUR EZB, FSMA, ESMA und EU-Kommission Working Group on Risk-Free Reference Rates for the Euro Area Euro Short-Term Rate (€STER)
  • Ungesichert und overnight
  • Widerspiegelt die Finanzierungskosten der Banken im Euroraum
Oktober 2019

Involvierung von Julius Bär in der LIBOR-Ablösung

Julius Bär nimmt zusammen mit der SNB und anderen Branchenvertretern an der Nationalen Arbeitsgruppe für Referenzzinssätze in CHF sowie an einer Arbeitsgruppe zur Reform der Euro-Zinssätze (ACI MMLWG) teil. Ein internes Projektteam ist für die Ablösung der IBORs verantwortlich.

Auswirkungen für Julius Bär Kunden

Wir empfehlen unseren Kunden, die neuesten Entwicklungen zum Thema zu beobachten und abzuwägen, ob:

  • sich die IBOR-Ablösung auf ihre Finanzprodukte auswirken könnte;
  • bestehende Transaktionen tangiert werden, falls der entsprechende IBOR ersetzt wird oder
    nicht weiterbesteht;
  • sie professionelle Beratung oder Unterstützung benötigen.

Julius Bär prüft derzeit, wie sich die IBOR-Ablösung auf unsere Verträge und Produkte auswirkt. Gleichzeitig arbeiten wir an der Optimierung unserer Produktpalette. Das Angebot von Julius Bär als Ganzes wird bis auf Weiteres nicht tangiert. Julius Bär beobachtet jedoch weiterhin die regulatorischen und branchenspezifischen Entwicklungen und prüft, welche Alternativen unseren Kunden und Gegenparteien präsentiert werden können. Wir werden unsere Kunden zu gegebener Zeit während des Übergangs kontaktieren, falls sich Auswirkungen auf unsere Geschäftsbeziehung ergeben.