Zürich, 14. Juli 2025 – Der Global Wealth and Lifestyle Report 2025 von Julius Bär erscheint an einem Wendepunkt für die Weltwirtschaft. Vor dem Hintergrund eines weltweit rückläufigen Konsumverhaltens, zunehmender geopolitischer Spannungen und laufender Handelsstreitigkeiten nehmen vermögende Privatpersonen (High-Net-Worth-Individuals, HNWI) bei ihren Prioritäten Anpassungen vor. Obwohl die Datenerhebung vor der Ankündigung der neuen US-Zölle abgeschlossen wurde, zeigen unsere Ergebnisse eine auffällige Verlagerung an. 

Zum ersten Mal seit der Auflegung des Julius Bär Global Wealth and Lifestyle Report verzeichnet dieser Bericht einen Rückgang von 2 Prozent auf US-Dollar-Basis – eine überraschende Entwicklung in einem Segment, in dem die Preise in der Vergangenheit das durchschnittliche Wachstum der Verbraucherpreise übertroffen haben. Der Preisrückgang bei Dienstleistungen betrug bescheidene 0.2 Prozent, während die Preise für Güter einen Rückgang von durchschnittlich 3.4 Prozent verzeichneten. 

Christian Gattiker, Chefstratege und Leiter Research bei Julius Bär, betont: «Angesichts der anhaltenden Unsicherheit, Handelsspannungen und Zölle bilden unsere Befunde den letzten Moment «ex ante» der aktuellen Lage ab, während der nächste Global Wealth and Lifestyle Report voraussichtlich eine faszinierende «ex post» Perspektive bieten wird.» 

Das Städte-Ranking ist nach wie vor sehr kompetitiv. Singapur hält sich auf Platz 1 der weltweit teuersten Städte für HNWIs, neu gefolgt von London auf Platz 2. Hongkong vervollständigt das Podium auf Platz 3. Allerdings kommt es auch auf den übrigen Stufen des Rankings zu signifikanten Verschiebungen: Sowohl Bangkok als auch Tokio sind um sechs Plätze nach oben gerückt, und auch Dubai setzt seinen Aufwärtstrend fort.

Regionale Erkenntnisse

Einmal mehr nehmen die EMEA-Städte (Europa, Naher Osten und Afrika) eine prominente Stellung ein und machen inzwischen mehr als die Hälfte der weltweiten Top-Ten-Plätze aus. London ist in dieser Region führend und steigt weltweit auf den zweiten Platz auf, während Monaco und Zürich jeweils um einen Rang auf Platz 4 bzw. 5 vorrücken. Dubai ist um fünf Plätze auf Rang 7 aufgestiegen und konsolidiert so seine Position als  Mitbewerber unter den traditionellen Vermögenszentren. Mailand und Frankfurt behaupteten ihre Position, während Paris in der Rangliste leicht zurückgefallen ist. Johannesburg bildet weiterhin das Schlusslicht, obwohl auch hier einige Preise gestiegen sind. 

Die Preisentwicklung in der EMEA-Region verlief insgesamt moderat, wobei die Preise in Lokalwährung sich stabil entwickelten oder in Städten wie Zürich sogar zurückgingen. Der auffälligste Preisanstieg in dieser Region verzeichnete Paris. Hier führten die höheren Reise- und Hospitality-Kosten zu einem Preisanstieg von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die privaten Bildungskosten in London erlebten ebenfalls einen Anstieg, in erster Linie aufgrund der jüngsten Gesetzesänderungen. 

Singapur ist nach wie vor die teuerste Stadt der Welt und unterstreicht damit die Bedeutung der APAC-Region (Asien-Pazifik). Im Durchschnitt erlebte diese Region einen nur leichten Preisrückgang von 1 Prozent und erwies sich damit als stabilste Region des Berichtsjahres. Bei den Rankings verzeichneten Bangkok und Tokio die grössten Sprünge; beide Städte legten je sechs Ränge zu und erreichten Platz 11 bzw. Platz 17. Im Gegenzug fiel Schanghai von Platz 4 auf Platz 6. 

Die Ausgaben für Konsumgüter bleiben in der APAC-Region unverändert hoch, wobei die Präferenzen der Konsumentinnen und Konsumenten sich allerdings weiterentwickeln. Bemerkenswert ist insbesondere der deutliche Preisrückgang bei Technologieprodukten (minus 21.4 Prozent), während die Kosten für Business-Class-Flüge um 12.6 Prozent zunahmen. Der wachsende Wohlstand der HNWI-Bevölkerung in der APAC-Region und ihr steigendes Interesse an Gesundheit, Wellness und Erlebnissen dürften das Ausgabenverhalten in der gesamten Region auch weiterhin prägen. 

In Nord- und Lateinamerika konnte New York seinen Rang als höchstplatzierte Stadt der Region einmal mehr behaupten (Platz 8 weltweit). Miami rückte um zwei Plätze auf Rang 13 vor, während São Paulo und Mexico City beide zurückgestuft wurden. 

Während die Durchschnittspreise für Konsumgüter (in US-Dollar) in Nord- und Lateinamerika nachgaben, verzeichnete die Region einige der stärksten Zunahmen bei Business-Class-Flügen (+39.3 Prozent) und Hotelsuiten (+17.5 Prozent). Diese Entwicklungen haben zu einer substanziellen Erhöhung der Reise- und Hospitality-Kosten geführt. Inzwischen liegen sie 41 Prozent über dem globalen Durchschnitt. Insbesondere in den lateinamerikanischen Landeswährungen fielen die Preissteigerungen wesentlich ausgeprägter aus: Mexico City und Santiago erlebten Anstiege von bis zu 16 respektive 15 Prozent. 

Bemerkenswerte Preisentwicklungen innerhalb des Index 

Der Index für 2025 bringt unterschiedliche Trends in den einzelnen Kategorien zu Tage. Bei den Technologieprodukten wurde der bedeutendste Preisrückgang beobachtet (-22.6 Prozent), was auf Preissenkungen bei Produkten wie MacBooks zurückzuführen ist. Im Gegenzug stiegen die Preise für Business-Class-Flüge am deutlichsten (+18.2 Prozent), wobei Veränderungen bei den Preismodellen, begrenzte Flugzeugkapazitäten und anhaltende Nachfrage nach hochwertigen Reisemöglichkeiten als Treiber wirkten. Die Kosten für private Bildungsmöglichkeiten verzeichneten ebenfalls einen signifikanten Anstieg (+5.1 Prozent), vorallem in London, nachdem die britische Regierung den Mehrwertsteuerstatus für Privatschulen geändert hatte. Bei den Uhren fiel der Preisanstieg mit 5.6 Prozent moderat aus; die anhaltende Nachfrage nach seltenen Investment-Grade-Uhren war hier wesentlich. 

Ergebnisse der Lifestyle-Umfrage

Die jährliche Julius Bär Lifestyle-Umfrage wurde nun zum vierten Mal durchgeführt. Es wurden grundlegende Veränderungen der Haltung und Verhaltensweisen von HNWIs global festgestellt, wohl nicht zuletzt auf Grund eines von zunehmenden geopolitischen Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheit geprägten Umfelds. HNWI streben demnach immer mehr nach einem idealen Gleichgewicht zwischen dem Wunsch, das Leben zu geniessen und einer langfristigen Planung für die Zukunft.

Eine weitere, zentrale Erkenntnis in diesem Jahr ist der sehr starke Fokus auf die Langlebigkeit. Zwischen 87 Prozent (Nordamerika) und 100 Prozent (APAC) der Teilnehmenden haben angegeben, dass sie aktiv Massnahmen zur Verlängerung ihrer Lebensdauer ergreifen – angefangen bei einem gesundheitsbewussteren Lebensstil bis hin zu ultramodernen Eingriffen wie Gentherapie und kryogenen Behandlungen. Gleichzeitig hat sich auch die finanzielle Langlebigkeit zu einem zentralen Anliegen entwickelt: Die meisten Teilnehmenden haben angegeben, dass sie ihre Vermögensstrategien bei zunehmender Lebenserwartung anpassen würden. 

Weltweit hat der Aufbau von Vermögen nach wie vor oberste Priorität. Der Stellenwert der Vermögenserhaltung ist allerdings gestiegen, insbesondere in Europa und Nordamerika, d.h. in Regionen, in denen ein konservativerer Anlageansatz vorherrscht. Im Gegenzug zeigen sich die HNWIs in den Regionen APAC, Naher Osten und Lateinamerika risikofreudiger und diversifizieren ihre Portfolios im Einklang mit ihren persönlichen Werten und aufkommenden globalen Trends. 

Insgesamt bestätigt der Bericht, dass sich die Prioritäten von HNWIs laufend vom materiellen Konsum hin zu Erlebnissen und Erfahrungen verlagern. Während die Ausgaben für Luxusgüter zurückgehen, ist die Nachfrage nach hochwertiger Gastronomie, exklusiven Reisen und Erlebnissen ungebrochen. Darin zeigt sich auch ein grundlegender Wandel im Luxusverständnis von HNWIs: Der Fokus liegt zunehmend auf Lebensstil, Wohlbefinden und Erlebnissen anstatt auf materiellem Besitz. 

Den Julius Bär Global Wealth and Lifestyle Report 2025 finden Sie unter:

www.juliusbaer.com/GWLR