Zürich, 25. Juni 2024 – Der Global Wealth and Lifestyle Report 2024 von Julius Bär erscheint vor dem Hintergrund eines komplexen globalen Umfelds. Die Folgen der weltweiten Pandemie haben sich gemäss den diesjährigen Ergebnissen gelegt und eine «neue Normalität» ist eingetreten. Teuerung, steigende Lebenshaltungskosten und ausgeprägte geopolitischen Spannungen wirken sich allerdings nach wie vor global auf die Preise und die Prioritäten aus.
Im Jahr 2024 hat sich der Preisanstieg (umgerechnet in US-Dollar) auf durchschnittlich 4% verlangsamt, während es 2023 noch 6% waren. Konsumgüter verzeichneten im laufenden Jahr einen rascheren Preisanstieg als Dienstleistungen; Erstere wurden im Durchschnitt 5% teurer, Letztere 4% (beide in US-Dollar umgerechnet). Obwohl das Leben in den Städten weiterhin immer höhere Preise fordert, haben sich die Teuerungsraten in den letzten zwölf Monaten normalisiert.
Das Städte-Ranking basiert auf dem Julius Bär Lifestyle Index. Dieser analysiert die Kosten eines Waren- und Dienstleistungskorbs, der für einen gehobenen Lebensstandard in 25 Städten rund um die Welt massgeblich ist.
Regionale Erkenntnisse
Singapur (Platz 1, unverändert) und Hongkong (Platz 2, im Vorjahr Platz 3) dominieren die Rangliste auch weiterhin, aber die Region Asien-Pazifik (APAC) ist im diesjährigen Regionen-Ranking erstmals auf Platz 2 abgerutscht, da Städte wie Tokio neu tiefere Ränge bekleiden und die Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) sehr deutlich wieder in den Vordergrund getreten ist. Im letzten Jahr liess es sich in der Region EMEA noch mit dem geringsten finanziellen Aufwand gut leben. Im laufenden Jahr rangiert London neu auf Platz 3 (vorgerückt von Platz 4 im Vorjahr). Gleichzeitig sind alle europäischen Städte ebenfalls nach vorne gerückt. Dies und die Stärke der Wechselkurse gegenüber dem US-Dollar (Euro +4%, Schweizer Franken +8%) haben zur Folge, dass die Region EMEA in diesem Jahr erstmals die teuerste ist. Die Region Nord- und Südamerika fällt auf den letzten Platz zurück wobei New York und São Paulo in den Top Ten bleiben.
Die ausgeprägte Teuerung in den letzten zwölf Monaten hat dazu beigetragen, dass die Region EMEA im laufenden Jahr die höchsten Preise verzeichnet. Im diesjährigen Index ist Zürich um acht Plätze nach oben gerückt, während Mailand und Paris um sechs bzw. fünf Plätze aufgestiegen sind. London bekleidet neu anstelle von Schanghai den dritten Platz.
Die beiden teuersten Städte im Index – Singapur und Hongkong – liegen auch weiterhin in der Region APAC. Die rückläufigen Preise in einigen Städten – insbesondere in Tokio (neu auf Platz 23, im Vorjahr auf Platz 15) – haben jedoch dazu geführt, dass diese Region nicht länger die teuerste ist. Bangkok und Jakarta, die in den letzten Jahren immer teurer wurden, sind nun vom 11. auf den 17. Platz bzw. vom 12. auf den 14. Platz gefallen. Schanghai – 2021 und 2022 die teuerste Stadt der Welt – steht nunmehr auf Platz 4. Sydney (Platz 11) ist nach heftigen Inflationsanstiegen im weltweiten Ranking um sechs Plätze nach oben gerückt. Insgesamt verteuerten sich in der Region APAC nur Sydney und Hongkong im laufenden Jahr.
Die Region Nord- und Südamerika ist ans Ende der Liste zurückgefallen, nachdem sie im letzten Jahr kurzfristig auf Platz zwei stand. New York (Rang 7, im Vorjahr Rang 5) und São Paulo (Rang 9, unverändert) verbleiben in den Top Ten, während Miami (von Platz 10 im Vorjahr) auf Platz 15 zurückgefallen ist. Andererseits hat Mexico-Stadt (Platz 16, im Vorjahr Platz 21) aufgrund der starken mexikanischen Währung einen Sprung um fünf Plätze nach vorne gemacht.
Währungsschwankungen haben dieses Jahr insgesamt eine signifikante Rolle beim Aufstieg und Fall der im Index vertretenen Städte und Regionen gespielt. Während die in Lokalwährung ausgedrückten Kosten sich häufig kaum verändert haben, macht die Umrechnung in US-Dollar den grossen Unterschied aus. Die Indexpreise werden aus Gründen der Vergleichbarkeit in US-Dollar umgerechnet. Die Stärke gewisser Währungen, etwa des Schweizer Frankens, und umgekehrt die schwäche anderer Währungen, beispielsweise des japanischen Yen, wirken sich deutlich auf die in US-Dollar umgerechnete Performance der zugehörigen Städte im Ranking aus.
Christian Gattiker, Chefstratege und Leiter Research bei Julius Bär, betont: «Der aktuelle Report macht deutlich, dass Währungen eine grosse Rolle spielen. Nehmen wir Tokio: In den 1990er-Jahren war Tokio das Paradebeispiel einer äusserst teuren Stadt. Der stetige Rückgang des Yen-Kurses zeigt aber, wie sich die Zeiten ändern können. So banal es scheinen mag – wir vergessen gerne, dass die Lebenshaltungskosten für Aussenstehende völlig anders aussehen, vor allem, wenn diese Personen in US-Dollar oder Schweizer Franken anstelle der Lokalwährung rechnen. Währung und Kontext spielen eine grosse Rolle.»
Preisentwicklungen einzelner Indexbestandteile
Die Betrachtung der einzelnen Indexbestandteile zeigt, dass Wohneigentum in der Region EMEA am teuersten ist: die Preise liegen hier 17% über dem globalen Durchschnitt. Fine Dining ist 13% teurer als in anderen Regionen, und MBA-Abschlüsse sind aufgrund der in allen europäischen Städten erhobenen hohen Gebühren empfindlich teurer (24%) als anderenorts. Im Bereich Luxusmode kosten Herrenanzüge, Damenschuhe und Damenhandtaschen in der Region EMEA (in US-Dollar umgerechnet) inzwischen 15%, 14% und 11% mehr als noch vor einem Jahr. Insgesamt sind die Preise in dieser Region im Durchschnitt um 7% gestiegen.
In der Region APAC ist es in den letzten zwölf Monaten zu einigen signifikanten Preisrückgängen gekommen. Das extremste Beispiel hierfür ist der 14-prozentige Preisrückgang bei Business-Class-Flügen; dies ist gleichzeitig die grösste Preisminderung eines Indexbestandteils gegenüber dem Vorjahr. Es dürfte sich hierbei allerdings um eine Korrektur der sehr hohen Ticketkosten im Jahr 2022 und zu Beginn des Jahres 2023 handeln. Im Gegenzug bezahlen Personen in der Region APAC mehr für Schmuck und für Privatschulen als im Vorjahr (Preissteigerung um 10% bei beiden Indexbestandteilen); dafür kosten Fahrräder (-13%) und Buchungen von Hotelsuiten (-11%) nun weniger. Im Durchschnitt sind die Preise in der Region APAC um 1% gestiegen.
Nord- und Südamerika ist die teuerste Region im Bereich der Gesundheitskosten. Diese liegen 86% über dem globalen Durchschnitt. Auch die Kosten für Champagner (27%), Whisky (22%) und Fahrräder (9%) belasten die Käuferinnen und Käufer hier deutlich mehr. Der ausgeprägteste regionale Preisanstieg eines Indexbestandteils gegenüber dem Vorjahr lässt sich ebenfalls in dieser Region verorten: In US-Dollar umgerechnet kosteten Hotelsuiten nahezu 34% mehr als vor zwölf Monaten. Im Durchschnitt belief sich die Teuerung in dieser Region auf 6%.
Ergebnisse der Lifestyle-Umfrage
Die Lifestyle-Umfrage befasst sich mit dem Lebensstil und dem Konsumverhalten von vermögenden Personen (High-Net-Worth-Individuals, HNWI) aus 15 Ländern in Europa, der Region APAC, dem Nahen Osten, Lateinamerika und Nordamerika. Sie geht auch auf Veränderungen des Konsumverhaltens ein und versucht, die Gründe für diese Veränderungen zu ermitteln. Somit zeichnet sie ein umfassenderes Bild und bietet Erkenntnisse und Daten, die die Aussagekraft des Lifestyle Index deutlich erhöhen.
In allen untersuchten Regionen ist die Nachfrage der HNWI nach privaten Reiseangeboten, Fine Dining und Luxushotels deutlich gestiegen; dieser Trend dürfte sich auch weiterhin fortsetzen. HNWI wollen das Leben auf eine Weise geniessen, die Erinnerungen an die Nachkriegserholungsphasen im 20. Jahrhundert weckt. Dabei sind die in der Region APAC und Nahen Osten ansässigen HNWI führend und dürften diese Rolle auch in naher Zukunft nicht abgeben. Vor allem im Nahen Osten sehen wir bei HNWI eine Konzentration auf Luxusgüter wie Kleidung, Uhren und Wohneigentum.
Wie bereits im letztjährigen Report aufgezeigt wurde, nimmt der Trend zu Gesundheit als neuem Wohlstandsfaktor zunehmend Fahrt auf. Die Gesundheitsausgaben figurierten in allen Regionen in den «Top Five», was die geplanten Ausgaben in den nächsten zwölf Monaten anbelangt; weltweit sind sie nach wie vor ein zentrales Thema. HNWI, besonders in der Region APAC, werden auch weiterhin stark in den Gesundheitsbereich investieren.
Es dürfte kaum überraschen, dass das übergeordnete Finanzziel der Umfrageteilnehmenden – wie schon in den Vorjahren – in der Vermögensbildung und -mehrung besteht. In allen Regionen haben HNWI in den letzten zwölf Monaten mehr Anlagen als im Vorjahr getätigt; der Nahe Osten und die Region APAC waren in dieser Beziehung führend.
Mindestens 70 Prozent der weltweit befragten HNWI haben in den letzten zwölf Monaten einen Anstieg ihres Gesamtvermögens verzeichnet, namentlich in Nordamerika, dem Nahen Osten und Lateinamerika.
Ihr eigenes finanzielles Fachwissen und die Wertsteigerungen ihrer Anlagen haben HNWI aus den Regionen APAC, Naher Osten und Lateinamerika zu risikoreicheren Anlagen bewogen, während in Europa und Nordamerika eine konservative Haltung und eine gewisse Fragilität das Anlagegeschehen geprägt haben.
Nach wie vor ist einerseits das Leben in vollen Zügen geniessen ein wesentliches Ziel, andererseits spielt die Nachhaltigkeit in den Anlagestrategien nahezu aller HNWI in den Regionen APAC, Naher Osten und Lateinamerika im Jahr 2024 eine grössere Rolle. In diesen drei Regionen sind mehr verantwortungsbewusste Anlagen getätigt worden, wobei die Mehrheit der HNWI ihre Portfolios überprüft haben, um die ESG-Auswirkungen ihrer Anlagen zu ermitteln. Die Ausrichtung auf ESG lag hier deutlich höher als in Europa und Nordamerika. Was für Anlagen gilt, lässt sich jedoch nicht auf Konsumgüter übertragen: Das aktuelle Kaufverhalten berücksichtigt Nachhaltigkeitskriterien nur zu einem geringen Teil.
HNWI möchten das Leben nach wie vor geniessen, gleichzeitig streben sie aber auch nach Selbstermächtigung, indem sie bei der Gesundheit, bei der Ästhetik und beim Erwerb von hochmodernen Technologien Prioritäten setzen. Sie setzen auf Langfristigkeit, indem sie Wohneigentum erwerben, wie sich vor allem im Nahen Osten beobachten lässt. Nach wie vor entwickelt sich die Nachfrage stärker, als ethische Ansätze es tun. Die Herausforderung besteht somit weiterhin, HNWI dazu zu bewegen, die Nachhaltigkeit vollumfänglich in ihr Leben und ihre Anlageentscheidungen in allen Märkten zu integrieren.
Den Julius Bär Global Wealth and Lifestyle Report 2024 finden Sie unter:
www.juliusbaer.com/GWLR