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Vermögensplanung für Frauen – wichtige Tipps und Tricks

Sollten Frauen bei ihrer Vermögensplanung und Finanzverwaltung bestimmte Aspekte besonders berücksichtigen? Wenn es nach Silke Mies geht, dann auf jeden Fall. Die erfahrene Vermögensplanerin von Julius Bär gibt uns im Interview persönliche Tipps dazu, was in den einzelnen Lebensphasen besonders zu beachten ist.

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Sie steht gerne früh auf, spricht fliessend Holländisch und antwortet auf die Frage nach ihrem Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit «Dazu kann Ihnen mein Mann mehr sagen». Doch im Ernst: Wie bringt man die Pflichten als Teamleiterin des Geschäftsbereichs Wealth Planning Advisory Europe in Zürich, Deutschland und Luxemburg bei Julius Bär und zwei kleine Kinder mit all ihren Bedürfnissen unter einen Hut? «Mein Mann ist Partner bei einer der vier grossen Beratungsgesellschaften. Aber wir teilen alle unsere Pflichten gleichmässig untereinander auf. Dies und eine rigorose Planung machen es möglich. So können wir beide reisen und bei unseren Kunden sein.»

Apropos «rigorose Planung»: Silke Mies berät internationale Kunden mit komplexen privaten Lebenssituationen in allen Aspekten der Vermögensplanung. «Mir gefällt die Internationalität unserer Kundschaft. Es gibt keine zwei Fälle, die sich völlig gleichen.» Und sie hatte in ihren 15 Jahren, die sie inzwischen im Bereich Vermögens- und Steuerplanung tätig ist, mit vielen zu tun. Sie arbeitet für Mitglieder von Patchwork-Familien, Ehepaare und Einzelpersonen. Ihr besonderes Interesse gilt jedoch der Beratung von Frauen, und so tritt sie bei speziell auf Frauen zugeschnittenen Veranstaltungen zum Thema Vermögensplanung regelmässig als Rednerin auf. Wir wollten wissen, was Frauen nach ihrer Empfehlung in den verschiedenen Phasen ihres Lebens berücksichtigen sollten.

Welche Faktoren beeinflussen die Finanzplanung von Frauen nach Ihrer Erfahrung als Vermögens- und Steuerplanerin am meisten?
Silke Mies: «Wussten Sie, dass deutsche Frauen erst seit 1962 selbst Bankkonten eröffnen dürfen? Und vor 1977 die Erlaubnis ihres Ehemanns brauchten, um arbeiten zu gehen? Das sind nur zwei Beispiele, aber die historische Rollenverteilung und die relativ junge finanzielle Unabhängigkeit von Frauen haben noch heute Einfluss auf ihre Situation in Finanzangelegenheiten.»

Aber in den letzten fünfzig Jahren ist viel passiert. Heute gehen Männer in Elternzeit und nehmen Angebote für flexibles Arbeiten wahr. An den Universitäten weltweit gibt es mehr Frauen als Männer, und insgesamt ist die Situation ausgewogener geworden. Die Frauen der neuen Generation haben mehr Selbstvertrauen, sie wollen arbeiten und eigenen Wohlstand anhäufen, um im Leben Optionen zu haben.

Leider hat die Internationale Arbeitsorganisation aber vor Kurzem festgestellt, dass das weltweite Lohngefälle zwischen Männern und Frauen noch immer 22% beträgt. Etwa drei Viertel dieses Ungleichgewichts lassen sich durch Faktoren wie Branchenwahl, Bildungsstand und Beschäftigungsumfang begründen. Für ein Viertel jedoch findet sich noch immer keine Erklärung. Es gibt keine logischen Antworten. Ich habe einmal ausgerechnet, dass Frauen allein durch das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen bei ihrem Eintritt in das Rentenalter 40% weniger Ersparnisse haben als Männer. Statistisch gesehen leben Frauen auch länger. Für ihre goldenen Jahre stehen ihnen aber weniger finanzielle Ressourcen zur Verfügung. Die nachstehende Grafik gibt einen Überblick über Faktoren, welche die Finanzplanung von Frauen beeinflussen.

Haben Sie angesichts dessen ein paar allgemeine Tipps für Frauen zum Thema Vermögensplanung?
Nach meiner Erfahrung gibt es drei besonders wichtige Aspekte:

  1. Machen Sie sich eine klare Vorstellung davon, was Sie im Leben erreichen wollen. Wofür sparen Sie?
  2. Seien Sie transparent und erörtern Sie Fragen der Vermögensplanung proaktiv mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin oder Ihren Angehörigen.
  3. Stellen Sie sicher, dass Ihre Unterlagen stets Ihre aktuellen Verhältnisse spiegeln.

Und konkreter: Was sollten Frauen in den verschiedenen Lebensphasen berücksichtigen?
Vor Kurzem habe ich eine Präsentation zu diesem Thema abgehalten, bei der ich anhand der fiktiven Person Julia auf die wesentlichen Punkte eingegangen bin. Julias Lebensphasen sind: Lehre, Universität, Beschäftigung, Partnerschaft, Scheidung, Pflege ihrer Eltern und Ruhestand. Sehen wir uns an, was in den einzelnen Phasen wichtig ist.

Lehre

  • Verantwortung übernehmen: Sie haben das erste Mal in Ihrem Leben mit eigenem Geld zu tun. Nicht viel, aber Sie haben es selbst verdient. Höchstwahrscheinlich müssen Sie nun Ihre Miete und Ihre Rechnungen selbst bezahlen. Es ist nun sehr wichtig, sich dieser Verantwortung zu stellen und eine Einstellung zum Finanzmanagement zu entwickeln, selbst wenn es nur um kleine Beträge geht. Ihr Einkommen wird mit der Zeit steigen, aber die gedankliche Haltung, die Sie sich jetzt zulegen, wird vermutlich Bestand haben.
  • Einen Sparplan entwickeln: Auch wenn Ihr Einkommen gering ist, sollten Sie Ihre Einkünfte und Ausgaben analysieren und herausfinden, ob Sie allmonatlich einen kleinen Betrag sparen können. Ausserdem sollten Sie sich fragen, wofür Sie sparen. Was ist Ihr Ziel?
  • Schliessen Sie Versicherungen ab und bringen Sie in Erfahrung, ob es finanzielle Förderung gibt: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um sich mit «Erwachsenenthemen» zu befassen und herauszufinden, welche Versicherungen Sie brauchen. Darüber hinaus empfehle ich immer sich zu erkundigen, ob das Land, in dem Sie leben, beispielsweise Ausbildungsförderung anbietet.

Universität

  • Vorausplanen: Wollen Sie ein Auslandssemester absolvieren? Erhalten Sie für Ihr Sommerpraktikum eine Bezahlung? Neben den vorstehenden Punkten müssen Sie Ihre Finanzmittel nun strategischer verwalten. Finden Sie heraus, wie viel Geld Sie wann brauchen, und stellen Sie einen Finanzplan auf, der Sie zu diesem Ziel bringt. Vielleicht müssen Sie beispielsweise in Ihrem Studentenjob im Frühjahr zusätzliche Schichten einlegen, um Ihre Lebenshaltungskosten während Ihres Sommerpraktikums decken zu können.

Beschäftigung

  • Steuervorschriften verstehen: Ein allgemein gültiges Gesetz im Leben lautet: An der Steuer führt kein Weg vorbei. Ob Sie dabei aber intelligent vorgehen und sich beispielsweise über die Feinheiten abzugsfähiger Ausgaben informieren, das liegt bei Ihnen. Investieren Sie diese Zeit. Es lohnt sich.
  • Finanzplanung: Stellen Sie sich folgende Fragen: Was ist mir in beruflicher und privater Hinsicht wichtig? Möchte ich in zwei Jahren ein Sabbatical nehmen oder in fünf Jahren ein Kind haben? Möchte ich eines Tages ein passives Einkommen verdienen? Nun, da Sie ein geregeltes Einkommen haben, können Sie richtig loslegen, Ihr eigenes Vermögen aufbauen und einen Finanzplan aufstellen.
  • Den Ruhestand planen: Es klingt klischeehaft, aber Fachleute empfehlen nicht ohne Grund, mit der Ruhestandsplanung möglichst frühzeitig zu beginnen. Je früher, desto mehr Optionen stehen Ihnen zur Verfügung.

Partnerschaft

  • Übernehmen Sie die Initiative: Viele Frauen beschliessen, mit ihrem Partner zusammenzuziehen, zu heiraten oder eines Tages Kinder zu haben. Wie auch immer Sie sich entscheiden, mein Rat lautet: Übertragen Sie die Verantwortung für die Verwaltung Ihrer Finanzen und die Vermögensplanung nicht Ihrem Partner. Seien Sie proaktiv und übernehmen Sie die Initiative.
  • Das «Drei-Konten-Modell»: Mit einer Partnerschaft verändert sich die Situation aus Sicht der Vermögensplanung. Nun geht es um zwei Einkommen. Sie sollten schon vor der Heirat offen über das Thema sprechen und zu erkennen geben, dass Sie neben dem Familienvermögen auch eigenes Vermögen aufbauen möchten. Das lässt sich über das «Drei-Konten-Modell» umsetzen:

Ihr Monatsgehalt und das Ihres Partners werden auf Konto eins eingezahlt. Ihre gemeinsamen Ausgaben (Miete, Versicherungskosten, Schulgebühren etc.) werden daraus bestritten. Was übrig bleibt, wird auf die Konten zwei und drei überwiesen. Am fairsten ist es, diesen Betrag 50/50 aufzuteilen, aber das entscheidet das Paar. Durch diese Herangehensweise haben beide Partner Kontrolle über ihr Geld und können selbst entscheiden, ob sie es ausgeben oder sparen.

  • Einen Ehevertrag schliessen: Das mag unromantisch sein, aber die Zahlen sprechen für sich. Im Juni 2021 hat die OECD einen Bericht veröffentlicht, in dem die Eheschliessungs- und Scheidungsquoten in OECD-Ländern bis 2017 analysiert wurden. Die wesentliche Erkenntnis daraus überrascht nicht: Während die Eheschliessungsquoten gesunken sind, sind gleichzeitig die Scheidungsquoten gestiegen. Zwei wichtige Aspekte, die vor allem Frauen im Zusammenhang mit einem möglichen Ehevertrag berücksichtigen sollten, sind der Ausgleich der Rentenansprüche (wie geht das Paar mit den fehlenden 40% um?) und der Unterhalt für Sie und die Kinder.

Scheidung

  • Das Beste hoffen, aber auf das Schlimmste vorbereitet sein: Eine Scheidung ist eine emotionale Herausforderung. Durch einen Ehevertrag ersparen Sie sich zusätzlichen Stress in dieser schwierigen Phase. Wenn die richtigen Massnahmen getroffen wurden, erhalten Sie (und die Kinder, sollten sich diese dazu entschliessen, bei Ihnen zu leben) monatliche Unterhaltszahlungen. Darüber hinaus erhalten Sie einen Ausgleich für die infolge einer möglichen Erziehungszeit niedrigere Rente. Und schliesslich dürften Sie dank des «Drei-Konten-Modells» Ihr eigenes Vermögen angehäuft haben und finanziell liquide sein.
  • Aktualisieren Sie Ihre Unterlagen: Versicherungsverträge, Patientenverfügungen, die Telefonrechnung – alle diese Unterlagen müssen aktualisiert werden, um Ihren neuen Lebensumständen gerecht zu werden.

Pflege der Eltern

  • «Sharing is caring»: Es kann passieren, dass Ihre Eltern (oder Schwiegereltern) im Ruhestand nicht mehr für ihre Lebenshaltungs- oder Pflegekosten aufkommen können. Es empfiehlt sich, diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Ausserdem ist es einfacher, mit einer solchen Situation umzugehen, wenn man sich beispielsweise darauf geeinigt hat, diese Kosten aus dem gemeinsamen Konto zu decken.

Ruhestand

  • Das Wesentliche im Fokus: Auch wenn es wunderbar wäre, ein Erbe zu hinterlassen, sollten Sie sich zuerst einmal auf das Wesentliche konzentrieren. Rechnen Sie aus, wie viel Geld Sie brauchen, um Ihren Lebensstandard aufrechtzuerhalten, und finden Sie die passende Lösung, um dieses Ziel zu erreichen. Wenn Ihnen dann immer noch genügend Geld für eine Schenkung an Ihre Lieben übrig bleibt, umso besser.

Welche Trends erwarten Sie für die Zukunft?
Studium in London, eine Auslandsentsendung nach Singapur und Ruhestand in Italien – unser Lebensstil wird immer noch internationaler werden. Und es gibt so viele Konstellationen, in denen Frauen heutzutage leben wollen: als glücklicher Single, verheiratet, in einer eheähnlichen Gemeinschaft, in einer Patchwork-Familie. Solange Sie die Verantwortung übernehmen, transparent kommunizieren und Ihre Unterlagen auf dem Laufenden halten, schaffen Sie ein solides Fundament, um das zu erreichen, was Ihnen am wichtigsten ist.

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