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Modern Monetary Theory, die moderne Geldtheorie – Gedanken unseres Group CIO

In unseren Augen ist die moderne Geldtheorie eine grossartige Idee, die, je nachdem, wie gut sie in die Tat umgesetzt wird, Wunder bewirken oder Katastrophen herbeiführen kann. Wie immer steckt der Teufel im Detail.

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Die moderne Geldtheorie (Modern Monetary Theory, MMT) in wenigen Worten zusammenzufassen ist nicht einfach. Vereinfacht ausgedrückt argumentiert die Theorie, dass Staatsverschuldung niemals ein Problem sein wird, solange der Staat die Währung drucken kann, in der er Kredite aufnimmt, und das Geld sinnvoll ausgegeben wird.

Warum sie jetzt relevant ist      
Da die traditionelle Geldpolitik in den meisten Industrieländern an ihre Grenzen stösst, glauben wir, dass die geldpolitischen Entscheidungsträger in diesem Jahrzehnt unkonventionelle geldpolitische Massnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur ergreifen werden. Wir rechnen insbesondere mit einer systematischen Koordinierung von Geld- und Fiskalpolitik, wie dies die MMT vorsieht.

Früher hatte die US Federal Reserve (Fed) das Doppelmandat inne, auf der einen Seite eine leicht positive Inflation von etwa 2% und auf der anderen Seite Vollbeschäftigung zu erreichen. Mit diesem monetären Ansatz versuchte sie, einen Kompromiss zwischen einem gesunden Arbeitsmarkt und der Inflation zu finden.   

Zukünftig wird die Fed eine Inflationsrate zulassen, die leicht über dem Zielwert von 2% liegt, sofern dieser Wert vorher nicht erreicht wurde. Im Hinblick auf das Ziel der Vollbeschäftigung macht die Fed ihren Ansatz ebenfalls flexibler, indem sie darauf hinweist, dass sie zusätzlich zum allgemeinen Niveau auch das der Unterbeschäftigung verschiedener Bevölkerungsgruppen berücksichtigen wird, um zu beurteilen, ob eine Straffung oder Lockerung der Geldpolitik erforderlich ist.

Die Kapazitätsauslastung ist der Schlüssel    
Laut MMT ist die Kapazitätsauslastung der produktiven Ressourcen eines Landes der entscheidende begrenzende Faktor für dessen Ausgaben – und nicht etwa ein selbst auferlegtes Finanzlimit.

Ob es wirksam und angemessen ist, die Nachfrage durch ein wiederkehrendes öffentliches Defizit anzukurbeln, hängt somit von der Verfügbarkeit ungenutzter produktiver Ressourcen ab – und der Fähigkeit, diese sinnvoll einzusetzen. Erhöht sich die Menge der konsumierbaren Waren und Dienstleistungen nicht, während der zu ihrem Kauf verfügbare Geldbestand (etwa durch ein bedingungsloses Grundeinkommen) wächst, steigen die Preise und der Wohlstand stagniert. Die daraus resultierende Inflation wirkt auf Sparer wie eine indirekte Steuer und entfaltet einen Umverteilungseffekt. Sofern jedoch noch ungenutzte Ressourcen bei Arbeitskräften und Kapital vorhanden sind, wirken die öffentlichen Defizite nicht inflationstreibend.

Die Inflation steht im Zentrum der Debatte
So manch einer sieht schon die Hyperinflation am Horizont, wenn er hört, dass Regierungen ihr eigenes Geld drucken könnten, um die Wirtschaft zu stützen.     

Das Managen des Inflationsrisikos ist von entscheidender Bedeutung, und die MMT nimmt dieses Thema sehr ernst. Mehr als jede andere Wirtschaftstheorie stellt die MMT die Inflation ins Zentrum der Debatte und bietet ein breites und ausgefeiltes Spektrum an Techniken zur Steuerung der Inflation.

Nach Meinung der MMT ist Defizitfinanzierung kein Problem, solange Defizite nicht in Inflation münden. Allerdings ist es entscheidend, wie diese Defizite gesteuert und strukturiert werden, um eine maximale, nicht inflationstreibende Ausnutzung der produktiven Ressourcen zu erreichen. Somit steht und fällt alles mit der Frage, wie die staatlichen Ausgaben gestaltet werden.

Ferner hat der jüngste Schritt der US-Notenbank implizit bekräftigt, dass die Inflation kurz- und mittelfristig kein Problem darstellt. Es wird mehrere Jahre dauern, bis wir Inflation erleben.

Die Regierungsführung ist entscheidend   
Werden produktive Ressourcen aufgrund des wiederholten Mangels an interner und externer Nachfrage nicht vollständig genutzt (Arbeitslosigkeit oder Unterauslastung von Kapazitäten) oder werden die verfügbaren Ressourcen nicht produktiv eingesetzt, weil sich ihre Einsatzmöglichkeiten nicht mit der Nachfrage auf dem Binnenmarkt in Einklang bringen lassen, kann der öffentliche Sektor diese Nachfragelücke zur Ankurbelung der Konjunktur durch Defizite kompensieren.

Ein starkes Bildungssystem, das leistungsfähige Arbeitskräfte in neuen Technologien und Biowissenschaften ausbildet, ist ein grosser Vorteil bei der Umsetzung der MMT.

Yves Bonzon, Group Chief Investment Officer

Langfristig wird alles davon abhängen, welche Allokationsentscheidungen der Staat zur Unterstützung der Wirtschaft trifft, unter welchen Bedingungen er dies tut und welcher Mechanismen er sich bedient. In jedem Fall ist es wichtig, eine effiziente Mittelallokation sicherzustellen.

Leider gibt es aber auch noch andere Anliegen. So drängt sich sofort die Frage auf, welche Auswahlentscheidungen und Präferenzen in den Bereichen getroffen werden, auf die sich der Staat fokussiert. Dabei geht es um politische Präferenzen und die Umverteilung zwischen Bürgern.

Warum sie für Anleger wichtig ist
Natürlich variiert die Fähigkeit, ein Haushaltsdefizit zu tragen, erheblich von Land zu Land. Einige Staaten werden bei der Mittelallokation grosse Fehler machen, andere werden die Aufgabe besser lösen. Stösst ein Land bei der Monetisierung seiner Defizite an Grenzen, wird der Devisenmarkt beim ersten Anzeichen einer Inflation gnadenlos reagieren.

Unter diesen Umständen sollten wir mehr denn je darauf achten, unsere Anlagen auf Länder mit politischen Systemen zu fokussieren, die eine effiziente Allokation öffentlicher Gelder sicherstellen – abgesehen davon, dass sie die Währung, in der sie ihre Kredite aufnehmen, selbst herausgeben.

In unseren Augen ist die MMT eine grossartige Idee, die, je nachdem, wie gut sie in die Tat umgesetzt wird, Wunder bewirken oder Katastrophen herbeiführen wird. Wie immer steckt der Teufel im Detail. Was zählt, sind die Regierungen und die Kapitalallokation auf staatlicher Ebene – wahrhaft eine grosse Aufgabe.

Marktausblick

Welche Themen werden in den kommenden drei Monaten relevant sein? Die Experten von Julius Bär teilen ihre Ansichten über die Wirtschaft und die Finanzmärkte.

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