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Hat die Globalisierung ihren Höhepunkt erreicht?

Nach jahrzehntelanger Zunahme des Welthandels verlangsamt sich der Trend zur Globalisierung. Corona mag den Trend zu einem Höhepunkt der Globalisierung beschleunigen. Es gab aber schon vor der aktuellen Krise zahlreiche Faktoren, die der Vernetzung der internationalen Wirtschaft abträglich waren.

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Covid-19 hat überall zu Verwerfungen geführt. Die vernetzte Welt, an die wir uns gewöhnt hatten, war fast nicht wiederzuerkennen, als Grenzen geschlossen, Flüge gestrichen, Exporte eingeschränkt und Lieferketten unterbrochen wurden. Durch die Coronavirus-Pandemie mag sich der Trend zu einem Höhepunkt der Globalisierung nun beschleunigen. Es gab aber schon vor der aktuellen Krise eine Reihe von Faktoren, die der Vernetzung der internationalen Wirtschaft abträglich waren.

Nachdem der Welthandel über lange Zeit stark gewachsen war, löste die «Grosse Finanzkrise» 2008 eine Konsolidierung aus. Danach erholte er sich zwar wieder, erreichte die Wachstumsraten der Jahrzehnte vor der Krise aber nicht mehr.

Im Folgenden beleuchten wir vier Aspekte, die zu einer Stagnation oder einer Schrumpfung des Welthandels führen könnten.

1. Nationalismus
Der zunehmende Nationalismus, exemplarisch ausgedrückt durch Präsident Trumps «America First»-Rhetorik oder das britische Brexit-Referendum, hat die Globalisierung stark gebremst. Dieser Trend wurde auch dadurch unterstützt, dass viele Regierungen es nicht geschafft haben, die wirtschaftlichen Verlierer der Globalisierung in ihren Heimatländern angemessen zu unterstützen.

Falls der Trend zu mehr Protektionismus anhält, könnten viele international tätige Firmen ihre Aktivitäten in Ländern reduzieren, in denen sie befürchten, dass neue Abgaben eingeführt werden oder administrative Komplexität ihre Lieferketten verlangsamen könnte. Tatsächlich ist dies bereits in den Zahlen sichtbar – das Wachstum des Welthandels hat sich 2019 deutlich verlangsamt und die Corona-Krise wird aller Voraussicht nach zu einem akzentuierten Einbruch des Welthandels 2020 führen.

2. Die Anfälligkeit der Lieferketten
Die Pandemie hat den Unternehmen einmal mehr die Verwundbarkeit der globalen Lieferketten gezeigt. Das Thema war auch im Zuge der immer noch andauernden Handelsstreitigkeiten (insbesondere zwischen den USA und China) aufgekommen und entsprechend überdenken viele Unternehmen ihre Lieferketten neu. Sie versuchen, sich auf die lokale Beschaffung und Produktion zu verlegen, um damit weniger abhängig von Handelspartnern im Ausland zu werden.

Zudem suchen die Unternehmen angesichts des wettbewerbsintensiven Umfelds in vielen Branchen vermehrt nach Möglichkeiten, ihr Angebot zu differenzieren und die Geschwindigkeit der Markteinführung wird immer wichtiger. Entsprechend haben viele Unternehmen begonnen, ihre Lieferketten zu lokalisieren (sogenanntes «Reshoring»).

Auch politisch rücken Selbstversorgung und Reshoring vermehrt in den Mittelpunkt – viele Regierungen möchten die Abhängigkeit von anderen Ländern verringern, insbesondere wenn es um kritische Produkte geht.

Supply chain disruption

3. Die Entwicklung in den Schwellenländern
Der Anteil der Schwellenländer am weltweiten Konsum ist in den letzten zehn Jahren dank der wachsenden Mittelschicht in diesen Ländern um rund 50% gestiegen. Bis 2030 werden die Entwicklungsländer, angeführt von Asien, laut McKinsey voraussichtlich mehr als die Hälfte des weltweiten Konsums ausmachen.

China nimmt auch hier wie so oft eine Führungsrolle ein, aber die Mittelschicht wächst auch in anderen Entwicklungsländern wie Indien, Indonesien, Thailand, Malaysia und den Philippinen.

Nationen, die früher stark vom Export abhängig waren, verbrauchen mittlerweile mehr von dem, was sie im Inland produzieren selber und der Exportanteil wird kleiner. Darüber hinaus bewegen sich die Schwellenländer allmählich auf die nächste Stufe der wirtschaftlichen Entwicklung zu – sie bauen umfassendere inländische Versorgungsketten auf und werden dadurch weniger abhängig von importierten Vorleistungen.

4. Der technologische Fortschritt
Einer der Haupttreiber des Trends zur Globalisierung war die Verlagerung der Produktion in Länder mit einer für die internationalen Unternehmen günstigeren Kostenstruktur. Mittlerweile hat der technische Fortschritt die Produktionskosten aber soweit gesenkt, dass der Vorteil der Produktion in Niedriglohnländern massiv geschrumpft ist. Die vermehrte Automation der Herstellungsprozesse macht eine Verlagerung der Produktion zunehmend weniger attraktiv.

Andere Erwägungen, wie z.B. der Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften oder natürlichen Ressourcen, die Nähe zu den Endverbrauchern und die Qualität der Infrastruktur, sind heute weitaus grössere Faktoren bei der Entscheidung über den Produktionsstandort.

Neue Technologien verändern die globalen Wertschöpfungsketten komplett. Gering qualifizierte Arbeitskräfte verlieren an Bedeutung für den Produktionsprozess und Unternehmen sind vermehrt auf hochqualifizierte Arbeitnehmer angewiesen, welche die komplizierten Prozesse steuern können. Entgegen der landläufigen Meinung ist die Arbeitsarbitrage (definiert als Exporte aus Ländern, deren Pro-Kopf-BIP ein Fünftel oder weniger des Importlandes beträgt) nur noch für rund 18% des globalen Warenhandels verantwortlich.

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