Warum sind Privatmärkte für langfristiges Investieren relevant?
Privatmärkte bieten Anlagechancen, die an öffentlichen Märkten nicht verfügbar sind, und ermöglichen Diversifikation, eine geringere Korrelation sowie zusätzliche Renditequellen durch aktive Eigentümerschaft. Wichtige Vorteile:
1. Breiteres Anlageuniversum
Privatmärkte bieten Zugang zu Nischensegmenten, jungen Unternehmen und spezialisierten Anlageklassen, die an öffentlichen Märkten nicht verfügbar sind. Ihre einzigartigen Profile machen sie attraktiv und bieten ein differenziertes Engagement.
2. Verbesserte Portfoliokonstruktion
Langfristiges Investieren, das im Durchschnitt drei bis sieben Jahre warten kann, profitiert von einer geringeren Korrelation zwischen privaten und liquiden Anlagen. Da die verschiedenen Segmente der Privatmärkte in unterschiedlichen Phasen des Konjunkturzyklus eine Outperformance erzielen, tragen diversifizierte Allokationen dazu bei, die Renditen über die Zeit zu glätten.
3. Aktive Wertschöpfung
Zugang zu differenzierten Quellen der Wertschöpfung. Manager von Private-Market-Fonds bringen durch aktives Engagement spezifische Fähigkeiten und Fachwissen ein. Sie verfügen über die Flexibilität, in weniger erschlossene Märkte zu investieren, um kurzfristige Fehlbewertungen auszunutzen und spezifische, oft einzigartige Strategien für den Erwerb, die Weiterentwicklung und die Veräusserung privater Unternehmen und Vermögenswerte umzusetzen.
House View 2026 von Julius Bär: Nötiges Anlagewissen
In unserem Ausblick für 2026 gehen wir auf die aktuellen Chancen und Risiken an den Privatmärkten ein.
Öffentliche und private Märkte ergänzen sich
Öffentliche Märkte liefern unverzichtbare Informationen für die Bewertung privater Unternehmen. Privatmärkte bieten Flexibilität für Unternehmenstransformationen und -finanzierungen ausserhalb klassischer Entwicklungs- und Wachstumsphasen.
Regulatorische und sektorale Risiken nehmen zu
In sensiblen Sektoren wie Gesundheitswesen und Technologie könnten strengere Anforderungen an Fusionen und Übernahmen für einige Private-Market-Fonds zu höheren Kosten und suboptimalen Ergebnissen führen.
Niedrigere Zinsen begünstigen LBOs, belasten jedoch Direct-Lending-Aktivitäten
Niedrigere Leitzinsen üben Druck auf die Renditen im Direct-Lending-Markt aus, wo meist variable Zinssätze vereinbart werden. Steigende Transaktionsvolumina angesichts geringerer Kreditkosten sowie eine mögliche Ausweitung der Renditedifferenzen könnten den Rückgang der Leitzinsen jedoch teilweise oder vollständig ausgleichen. Gleichzeitig verringert sich die Schuldenlast der Kreditnehmer, was möglicherweise zu weniger Zahlungsausfällen führt.
Der Direct-Lending-Markt scheint sich in einer späten Zyklusphase zu befinden
Aufgrund folgender Faktoren ist eine hohe Selektivität ratsam:
- Weite Verbreitung von Covenant-Light-Strukturen
- Geringere Rückzahlungsquoten in Asset‑Light-Sektoren
- Steigende Risiken bei der Finanzierung von KI-Rechenzentren
Exit-Märkte beleben sich
Seit 2021 haben die Marktvolatilität und stark steigende Zinssätze die Exits erheblich gebremst. Von Private-Market-Fonds finanzierte Unternehmen müssen schliesslich verkauft oder an die Börse gebracht werden. Angesichts allmählich sinkender Zinssätzen und günstigerer Bedingungen für Börsengänge ergeben sich wieder attraktivere Ausstiegsmöglichkeiten. Seit 2024 zeigt sich dies in steigenden Ausschüttungen und einem positiven Verhältnis von Rückflüssen zu Kapitalabrufen bei LBOs.
Innovationen adressieren Liquiditätsprobleme
Es wird versucht, Liquiditätsherausforderungen mit Evergreen-Strukturen und Instrumenten wie Continuation Funds, NAV-Finanzierungen und Kreditlinien zu lösen. Ihre Robustheit muss jedoch erst noch unter Beweis gestellt werden. Eine sorgfältige Due Diligence ist unerlässlich. Es gilt zu prüfen, wie sich diese Instrumente unter Stressbedingungen verhalten.
Evergreen-Fonds: Gut geeignet für stabile Ertragsstrategien
Evergreen-Fonds eignen sich besonders für Investitionen mit vorhersehbaren Laufzeiten und laufenden Erträgen. Es lohnt sich, in Evergreen-Fonds anzulegen an der Seite von grossen, stabilen und langfristig orientierten Finanzinstituten. Beim Investieren in Evergreen-Fonds ist selektiv vorzugehen: Grosse Fonds mit einer breiten und stabilen institutionellen Investorenbasis sowie einer nachgewiesenen Erfolgsbilanz sollten bevorzugt werden.
Geschlossene Fonds sind optimal für Wertsteigerungsstrategien
Geschlossene Fonds bieten Managern zeitliche Flexibilität bei Kapitalanlagen und entsprechenden Gewinnmitnahmen. Angesichts ungewisser Zeithorizonte ist die Managerauswahl entscheidend.
Sekundärmarktinvestitionen bieten taktische Vorteile
Sekundärmarktinvestitionen sind eines der wichtigsten taktischen Instrumente. Sie bieten den Vorteil der zeitlichen Diversifikation und die Möglichkeit, hochwertige Vermögenswerte mit einem erheblichen Abschlag zu erwerben. Die Wertentwicklung sollte ausschliesslich auf Cash-on-Cash-Basis bewertet werden, da IRRs verzerrt werden können, wenn Vermögenswerte nach dem Erwerb zum Nettoinventarwert neu bewertet werden. Überteuerte und überfinanzierte LBOs sollten vermieden werden, selbst wenn das Unternehmen mit einem Abschlag angeboten wird.
Venture Capital erfordert Vorsicht
Bei Investitionen in Venture Capital ist Diversifikation von entscheidender Bedeutung – zumal sich Fonds auf bestimmte Branchen konzentrieren – ebenso wie Expertise in der Managerauswahl. Dachfonds können Risiken reduzieren und Zugang zu diesem Segment ermöglichen.
Start-up-Bewertungen sind nur bedingt aussagekräftig
Die Bewertungen von Start-ups basieren in der Regel auf theoretischen Annahmen. Nicht berücksichtigt werden dabei Vorzugsrechte, wie beispielsweise Veto- oder Liquidationsrechte, die zu einem höheren Preis pro Vorzugsaktie im Vergleich zu Stammaktien führen. Der tatsächliche Wert des Unternehmens lässt sich daraus nicht ableiten. Er zeigt sich erst beim Verkauf oder Börsengang einer privat geführten Start-up.
KI-FOMO deutet auf frühere Governance-Versäumnisse hin
Die Angst, Chancen im Bereich Künstliche Intelligenz zu verpassen, erinnert an frühere Fehlentwicklungen, wie z. B. Theranos, FTX: Hohe Bewertungen in Kombination mit schwacher Governance bergen erhebliche Risiken. In Investitionsbereichen, die diese beiden Faktoren vereinen, ist äusserste Vorsicht geboten. Gleichzeitig kann KI bei Privatmarktanlagen sowohl disruptiv als auch wertsteigernd wirken oder womöglich beides zusammen.
Führungswechsel prägen die Branche
Bei etablierten Fondsmanagern findet ein Generationenwechsel statt. Die «Gründerväter» des modernen Private Equity übergeben ihre Unternehmen, wobei die Nachfolge unterschiedlich klar geregelt ist. Da die Branche von starken Persönlichkeiten geprägt ist, wirken häufige Ausgliederungen einem breiteren Trend hin zu einer langsamen und schrittweisen Konsolidierung entgegen.