KI verändert die Märkte, indem sie die globalen Investitionsausgaben in die Höhe treibt. Dadurch verändert sich auch der wirtschaftliche Zyklus: Ein Umfeld mit überschüssigen Ersparnissen weicht einem Umfeld der Kapitalknappheit. Dieser Investitionsboom – von Rechenzentren über Halbleiter bis hin zu Energiesystemen und digitaler Infrastruktur – unterstützt ein stärkeres Wachstum, hält den Inflationsdruck aufrecht und sorgt dafür, dass die Zinsen strukturell höher bleiben. Diese Dynamik stärkt die Dominanz der US-Aktienmärkte und wichtiger asiatischer Volkswirtschaften, die Teil der KI‑Wertschöpfungskette sind.

1. KI-Führerschaft stärkt Marktdominanz der USA

Nach dem jüngsten Anstieg der geopolitischen Spannungen und der Energiepreise haben die USA ihre Führungsrolle an den Aktienmärkten zurückgewonnen. In diesem Umfeld belasteten höhere Ölpreise vor allem energieimportierende Regionen, während die USA von ihrem strukturellen Engagement im KI-Bereich und einer starken Gewinndynamik profitierten. Solange diese ausserordentlichen Bedingungen anhalten, ist eine nachhaltige Verschiebung hin zu einer nicht-amerikanischen Marktführerschaft auf kurze Sicht unwahrscheinlich. In einem stabileren geopolitischen und makroökonomischen Umfeld würden wir jedoch davon ausgehen, dass Nicht-US-Aktien wieder die Führung übernehmen.

Dass die USA wieder Spitzenreiter sind, ist nicht nur das Ergebnis der makroökonomischen Dynamik, sondern wird auch durch die zugrunde liegenden Fundamentaldaten gestützt: Im ersten Quartal des Jahres wurde das stärkste Gewinnwachstum seit vier Jahren verzeichnet, und die Gewinnerwartungen wurden deutlich nach oben revidiert. Gleichzeitig übertrafen die Hyperscaler die Prognosen für die Investitionsausgaben (Capex) erneut, was die Zuversicht stärkt, dass der KI-Investitionszyklus weiterhin auf Kurs ist. Wichtig ist dabei, dass die bessere Stimmung auf nachlassende Sorgen und nicht auf übertriebenen Optimismus zurückzuführen ist. Das spricht für einen Markt, der von den Fundamentaldaten getragen wird.

2. Diversifikation über die USA hinaus bleibt entscheidend

Trotz der kurzfristigen Dominanz der USA bleibt Diversifikation entscheidend, da sich die Gewinndynamik in mehreren Märkten ausserhalb der USA zunehmend verbessert.

In Europa positionieren wir uns differenzierter, reduzieren aber nicht das Gesamtengagement. Regional verringern wir unsere Allokation in Kernmärkten wie Deutschland und Frankreich, wo die Gewinndynamik nachlässt, und schichten in Peripheriemärkte wie Italien und Spanien um. Diese Märkte bieten ein attraktiveres zyklisches Engagement, insbesondere bei Finanzwerten und Versorgern, und profitieren zudem von einer stärkeren Gewinndynamik.

Hochwertige defensive Märkte wie die Schweiz und Singapur bleiben wichtige Portfolioanker, da sie starke Währungen mit robusten Volkswirtschaften verbinden. Gleichzeitig halten wir an unserer Übergewichtung der Schwellenländer fest. Dafür sprechen die Beschleunigung der Gewinndynamik, der schwächere US-Dollar-Ausblick und die anhaltende technologiegetriebene Stärke in Asien und Teilen Lateinamerikas.

3. Asien als wichtiger Hub der KI-Wertschöpfungskette 

In Asien bleibt das Spektrum der Anlagechancen breit, wird aber differenzierter. Japan sticht als wichtiger Profiteur des KI-Optimismus hervor und wird durch starke Gewinnrevisionen und die laufenden Unternehmensreformen unterstützt.

In den asiatischen Schwellenländern bleibt China trotz der jüngsten Underperformance, die vor allem auf die Indexzusammensetzung und die Schwäche der Internetaktien zurückzuführen ist, eine wichtige Allokation. Unter der Oberfläche zeigen KI-bezogene Segmente – insbesondere im Onshore-Markt – eine starke Dynamik. Wir erwarten, dass die Stabilisierung der Gewinne und die anhaltende Stärke des KI-Bereichs eine breitere Erholung unterstützen werden. Spezifische Chancen sehen wir zudem in den Bereichen Biotechnologie und Elektrofahrzeuge.

Südkorea profitiert von seiner zentralen Rolle bei KI-Hardware, und Indien bietet trotz einer gewissen Sensitivität gegenüber den Energiepreisen strukturelles Wachstum.

4. Der Blick auf die Sektoren – Wachstum und Resilienz in einem dynamischen Marktumfeld

KI bleibt der dominante Markttreiber. Der Investitionszyklus beschleunigt sich weiter und wird dabei durch hohe Investitionsausgaben und eine steigende Nachfrage nach Rechenzentrumskapazitäten unterstützt. Gleichzeitig verstärken erste Anzeichen einer erfolgreichen Monetarisierung das Gewinnwachstum. Innerhalb des KI-Bereichs bleibt Infrastruktur – Halbleiter, Speicher und Rechenzentrumskomponenten – aufgrund der hohen Preissetzungsmacht und guten Vorhersehbarkeit das attraktivste Segment. Die Chancen im Softwaresektor sind spezifischer, dort kommt es auf klare Monetarisierungsstrategien an.

Blicken wir über das KI-Thema hinaus: Unsere Analysten haben den Kommunikationssektor auf Übergewichten hochgestuft. Die Gründe für diese Übergewichtung sind sowohl die zunehmende Monetarisierung von Internetplattformen als auch die defensiven Eigenschaften von Telekommunikationsanbietern mit stabilen Cashflows und attraktiver Aktionärsrendite. Finanzwerte – insbesondere europäische Banken – bleiben aufgrund attraktiver Bewertungen und hoher Kapitalrenditen interessant. Das Gesundheitswesen bietet weitere Diversifikationsmöglichkeiten und profitiert von Innovation und strukturellem Wachstum.

Für erneuerbare Energien bekräftigen wir unsere positive Einschätzung. Der jüngste Energieschock hat deutlich gemacht, wie fragil die Versorgung mit fossilen Brennstoffen ist, und die Bedeutung erneuerbarer Energien unterstrichen. In Europa haben die erneuerbaren Energien zur Stabilisierung der Energiepreise beigetragen; in den USA beschleunigt die steigende Stromnachfrage – nicht zuletzt durch die Rechenzentren – die Energiewende. Da Solar- und Windenergie sowie Batteriespeicher mit Blick auf die Kosten immer wettbewerbsfähiger werden, steigt ihr Anteil am Energiemix stetig. Damit verleiht das aktuelle Umfeld diesem Anlagethema zusätzlichen Rückenwind.

Insgesamt werden die Aktienmärkte durch solide Gewinne und starke strukturelle Faktoren gestützt. Wer von der nächsten Phase des Aktienzyklus profitieren will, muss gezielt die richtigen Regionen, Sektoren und Anlagethemen auswählen.

Häufige Fragen

Warum bleiben Sie in chinesischen Aktien trotz ihrer unterdurchschnittlichen Entwicklung übergewichtet?

Dass sich chinesische Aktien 2026 bislang unterdurchschnittlich entwickelt haben, ist vor allem auf die Zusammensetzung der Indizes und nicht auf fehlende Anlagechancen zurückzuführen. Die Benchmark-Indizes sind nach wie vor stark auf klassische Branchen der Old Economy und etablierte Internetunternehmen ausgerichtet, während viele der erfolgreichsten KI-Unternehmen an den Wachstumsmärkten des chinesischen Festlands gelistet und daher in den Indizes unterrepräsentiert sind.

Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass sich die Gewinne der Internetplattformen stabilisieren und die anhaltende Stärke der KI-Segmente dazu beiträgt, dass chinesische Aktien aufholen. Deshalb bleiben wir in China übergewichtet. Wir sind überzeugt, dass eine ausgewogene On- und Offshore-Allokation entscheidend bleibt, da sie einen komplementären Zugang zu den sich wandelnden Wachstumstreibern der chinesischen Wirtschaft bietet.

Gibt es Anzeichen für eine KI-Blase?

Wir sehen zurzeit keine Hinweise auf eine allgemeine KI-Blase. Die Bewertungen sind zwar in einigen Bereichen zugegebenermassen bereits hoch; die Marktentwicklung wurde aber primär durch ein starkes, nachhaltiges Gewinnwachstum und weniger durch Bewertungsanstiege getrieben. Die Nachfrage nach Rechenzentren übersteigt das Angebot nach wie vor, und es gibt klare Anzeichen, dass sich die Monetarisierung verbessert. Anders als in früheren Technologiezyklen sind die führenden KI-Unternehmen heute hochprofitabel und generieren Cashflows. Allerdings hat die Marktkonzentration – insbesondere in den USA – zugenommen, und in einigen Segmenten lassen die Bewertungen kaum Enttäuschungen zu. Deshalb bleiben Selektivität und Diversifikation entscheidend.

Wer geht im KI-Bereich als Sieger hervor?

Im Bereich Cloudcomputing und KI bleiben Hardware-Unternehmen die grössten Nutzniesser: Anbieter von Rechenleistung, Speicherlösungen, Netzwerktechnologie sowie Energie- und Kühlinfrastruktur. Diese Unternehmen sind für die KI-Infrastruktur essenziell und profitieren von den anhaltend hohen Investitionen der Hyperscaler – unabhängig davon, welche KI-Anwendungen sich letztlich durchsetzen.

Im Softwarebereich ist eine Bottom-up-Titelauswahl entscheidend, da diese Unternehmen noch nicht in der Lage sind, die Vorteile von KI auf breiter Basis zu nutzen. Grosse, etablierte Plattformunternehmen, deren Lösungen tief in den Prozessen ihrer Kunden verankert sind, sind am besten aufgestellt, um KI erfolgreich zu monetarisieren. Kleinere Anbieter dürften dagegen zunehmend unter Druck geraten.

Ist es weiterhin sinnvoll, von US-Aktien weg zu diversifizieren?

Kurzfristig dürfte die Outperformance der USA angesichts ihrer Dominanz im KI-Bereich und des aktuellen Wirtschaftsumfelds anhalten. Mittelfristig spricht jedoch weiterhin vieles für eine breitere Diversifikation. Vor dem Hintergrund des Nachlassens der geopolitischen Spannungen und des stabileren Wirtschaftsumfelds erwarten wir, dass die Aktienmärkte ausserhalb der USA wieder die Führung übernehmen. Für eine breitere Portfolioallokation sprechen auch das zunehmend multipolar geprägte globale Umfeld, der schwächere Ausblick für den US-Dollar sowie die attraktiveren Anlagechancen in Asien und Teilen Europas. Diese Regionen bieten eine überzeugende Kombination aus Wachstumspotenzial, attraktiven Bewertungen und wichtigen Diversifikationsvorteilen.

Für die zweite Jahreshälfte 2026 ist die Botschaft klar: Bleiben Sie investiert, aber flexibel und offen.

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