Städte trieben schon immer den Wandel an. Sie sind der Anziehungspunkt von Gewerbe, Wirtschaft und Gesellschaft und verkörpern das Versprechen auf ein besseres Leben. Heute lebt über die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten; immer mehr Menschen ziehen weg vom Land. Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge werden bis 2050 zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben. Die Mehrheit der Stadtbewohner lebt in Zentren mit weniger als 500 000 Einwohnern, und einer von acht lebt in Megastädten mit zehn Millionen Einwohnern oder mehr. Die Zahl der Megastädte hat sich seit 1990 auf nahezu 33 verdreifacht. Laut Prognose der Vereinten Nationen soll diese Zahl bis 2030 auf 41 steigen.

Städtische Wirtschaft verändert globale Märkte

Die globale Stadtbevölkerung wächst jährlich um 65 Millionen. Es ist genau diese städtische Wirtschaft, die die Märkte gemäss Berichten des McKinsey Global Institute verändern werden. «Der Schlüssel zum Erfolg der Städte ist die Produktivität. Sie ist in städtischen Gebieten deutlich höher als auf dem Land, weshalb die Löhne in den Städten höher sind. Letzteres wiederum ist der Grund, dass die Arbeitskräfte in die Städte ziehen», erklärt Carsten Menke, Rohstoffanalyst bei Julius Bär. Der konstante Zustrom von Arbeitskräften auf den Arbeitsmarkt erleichtert den Unternehmen die Suche nach geeigneten Fähigkeiten und fördert den Wissenstransfer. «Daraus resultieren weitere Produktivitätsgewinne, die eine Eigendynamik in Bewegung setzen», fügt Carsten Menke an. Ein höherer Spezialisierungsgrad, Innovationskraft und hohe Kompetenz sind weitere Faktoren, die Produktivitätsgewinne in urbanen Zentren begünstigen. 2025 werden die 600 global produktivsten Städte – 440 befinden sich in Schwellenländern und über 220 davon allein in China – ihren Anteil am globalen BIP gemäss Prognose auf knapp 65% gesteigert haben. Die Bevölkerung dieser 600 Städte soll bis 2025 für nahezu die Hälfte des Weltwirtschaftswachstums verantwortlich sein.

China – die treibende Kraft hinter der globalen Urbanisierung

China gehört seit 30 Jahren zu den Ländern, die die Urbanisierung vorantreiben. Auch in Zukunft werden die Städte dort rascher wachsen. Die Migrationsbewegung in China gehört zu den grössten in der Geschichte der Menschheit. 350 Millionen Menschen dürften in den nächsten zehn Jahren in die Städte ziehen. Bis 2020 wird es in China über 220 Städte mit mehr als einer Million Bewohner geben. Die rasche Urbanisierung befeuert den inländischen Immobilienmarkt und den Infrastrukturboom. Zudem war der Trend in den letzten zehn Jahren einer der Haupttreiber für den globalen Superzyklus im Rohstoffsektor. Die Nachfrage nach Rohstoffen von Industrien, die Infrastrukturprojekte realisieren, dürfte weiterhin wachsen. Allerdings ist das Thema Konsum mittlerweile der interessantere Teil der Geschichte, so Carsten Menke. Warum? Urbanisierung führt nicht nur zum Bau von Infrastruktur, sondern ist für die Entwicklung eines Mittelstandes verantwortlich, der frei verfügbares Einkommen besitzt.

Wachsende chinesische Mittelschicht in Konsumlaune

Im Jahr 2000 gehörten nur 4% der urbanen Haushalte in China der Mittelschicht an. Zwölf Jahre später waren es gemäss einem Bericht von McKinsey & Company über zwei Drittel der Stadtbevölkerung. 2014 zählten in China 474 Millionen Menschen zur Mittelschicht, und bis 2025 soll diese Zahl auf 800 Millionen steigen. Eine höhere Kaufkraft bewirkt einen höheren Gesamtkonsum. Diese aufsteigende chinesische Mittelschicht kann sich mittlerweile einen völlig neuen Lebensstil leisten, der die Nachfrage nach Rohstoffen, die von der Automobil- und Schmuckbranche genutzt werden, und nach vielen anderen Gütern und Dienstleistungen ankurbeln könnte. Der stetig steigende Anteil des frei verfügbaren Einkommens bietet zudem Chancen für die Luxusgüterbranche und den Tourismus. Die chinesische Mittelschicht ist laut Prognose bis 2015 für über ein Drittel der globalen Luxusgüterausgaben verantwortlich.

Asien und Afrika – die nächsten Kontinente in der Reihe

Die globale Stadtbevölkerung soll bis 2045 sechs Milliarden Menschen übersteigen. Ein Grossteil dieses urbanen Wachstums wird sich in Regionen mit Entwicklungsländern abspielen. Diese Verschiebung in die Städte ist für ländliche Gesellschaften mit niedrigen Einkommen zentral, um zu den Ländern mit mittleren und hohen Einkommen aufzuschliessen. Asien und Afrika werden diese Entwicklung anführen. Die Bevölkerung in ihren Städten soll bis 2050 um 1,4 Milliarden bzw. 800 Millionen Menschen wachsen. In Asien konzentriert sich das Städtewachstum auf Indien und China, während es in Afrika viel breiter abgestützt ist. Diese Länder werden daher vor diversen Herausforderungen stehen, um die Bedürfnisse ihrer wachsenden Stadtbevölkerung zu erfüllen. Solche Herausforderungen bestehen etwa beim Wohnbau, der Infrastruktur, dem Transport, der Energie und der Beschäftigung sowie beim Zugang zu grundlegenden Diensten wie Bildung und medizinische Versorgung.

Bedeutende Herausforderung der Entwicklung

«Das Management städtischer Gebiete ist eine der grössten Herausforderungen der Entwicklung im 21. Jahrhundert», sagte John Wilmoth, Direktor der Abteilung Bevölkerung des UN Department of Economic and Social Affairs (DESA), im 2014 überarbeiteten Bericht «World Urbanization Prospects» seiner Abteilung. Zu diesen Herausforderungen gehören gemäss Bericht nachhaltige Städteplanung und gute Governance, was wiederum belegt, dass nur wenige Faktoren die Entwicklung der Welt so grundlegend verändern werden wie die Verteilung der Bevölkerung.

Weitere Informationen

Möchten Sie mehr über Urbanisierung erfahren? Ihr persönlicher Kundenberater gibt Ihnen gerne weitere Informationen.