| "Disziplin gepaart mit einem guten Herz und Verstand ist der Schlüssel zu Excellence". |
Er gilt als einer der wenigen Grossmeister des Feng Shui. Mit seinen Beratungen hat Yap Cheng Hai einflussreichen Persönlichkeiten auf der ganzen Welt die erfolgreiche Karriere überhaupt erst ermöglicht. Der 80-jährige Chinese bleibt dabei bescheiden. Meisterschaft könne jeder erlangen, wenn er nur hart genug dafür arbeite.
Seit 1940 suchen Menschen Ihren Rat. Wie haben Sie selber Feng Shui erlernt?
Während meiner Schulzeit las ich jedes Buch über Feng Shui und chinesische Kampfkunst, das ich in die Finger kriegen konnte. Es faszinierte mich. Als ich mit 20 die Schule abschloss, dachte ich über Feng Shui nach, wie es das Leben eines Menschen verändern kann. Ich wollte reich sein, ich wollte mein ganzes Leben verbessern. Jedes Mal, wenn ein Feng Shui Meister irgendwo lehrte, ging ich hin. In Taiwan traf ich Meister Tang. Er hatte ein altes Feng Shui Buch und zeigte mir einige sehr interessante Passagen daraus. Also fragte ich ihn, ob ich das Buch über Nacht ausleihen könne, um es abzuschreiben. Kopierer gab es damals noch nicht. Er meinte, das sei viel zu kompliziert. Dann schenkte er mir das Buch einfach. Welcher Feng Shui Meister würde ein so wertvolles Buch einfach jemandem schenken? Es war eine grosse Ehre für mich. Sehen Sie, ich lernte Feng Shui, indem ich alle Bücher las, den Unterricht von Meistern folgte und das Gelernte in die Praxis umsetzte.
Wie kann Feng Shui das Leben eines Menschen verändern?
Indem es Vermögen, gute Beziehungen und ein glücklicheres Leben ermöglicht. Feng Shui ist eine sehr alte chinesische Kunst, sie wird seit über 2500 Jahren angewandt. In uralten Zeiten war Feng Shui lediglich dem König erlaubt. Untertanen, die Feng Shui anwandten, wurden geköpft. Eines Tages, gegen Ende der Song Dynastie, wurde der Königspalast angegriffen und in Brand gesetzt. Der königliche Astronom, Yang Jun-Song, konnte einige Feng Shui Bücher aus der brennenden Bibliothek retten, die einzigen Schriften zu der Zeit. Er versteckte sich an einem fernen Platz, das alte Wissen war gerettet. Später wurde Feng Shui sehr populär, in ganz China zog man bei der Städteplanung und beim Einrichten von Häusern Feng Shui zu Rate.
Sie wenden eine Kombination der folgenden Lehren an: Ba Zhai, San Yuan, San He und Wasser-Drache. Worum geht es dabei?
Ba Zhai basiert auf den acht Häusern, den acht Himmelsrichtungen, Süd-Ost, Süd-West, und so weiter. Für jedes Geburtsjahr ist eine Himmelsrichtung die Beste. Ich zum Beispiel kam 1927 auf die Welt. Meine Gua-Zahl ist eins. Die Gua-Zahl repräsentiert eines der acht Lebensthemen, dem jeweils eines der acht Häuser zugeordnet wird. Für mich ist Süd-Osten die beste Himmelsrichtung. San Yuan basiert auf dem richtigen Zeitpunkt. Ein Ort, ein Haus, alles verliert während der Zeit Qi Energie und gewinnt neue dazu. Die Qualität der Energien ist unterschiedlich. San He handelt von Landschaften, Bergen, Wasser und ihrem Einfluss auf die Ausrichtung von Städten und Häusern. Die Lehren des Wasser-Drachen dienen der Vermehrung von Vermögen. Das Wasser Feng Shui sagt uns, welchen Einfluss Wasser hat und was wir tun müssen, damit es zu unseren Gunsten wirkt. Jede Lehre ist wertvoll. Indem man sie kombiniert und die besten Aspekte jeder einzelnen anwendet, kann man ein herausragendes Feng Shui Resultat erzielen.
Braucht es für jeden ein individuelles Feng Shui?
Oh ja. Es kommt immer auf die einzelne Person an, und darauf, wo sie lebt. Nehmen Sie ein Haus, in dem eine ganze Familie wohnt. Der Vater ist für mich die wichtigste Person. Ich will, dass er reich wird, und nicht, dass sein Sohn ihn übertrifft. Am wichtigsten ist also das Schlafzimmer des Vaters, die Ausrichtung seiner Tür, die Ausrichtung seines Bettes. Dann suche ich das beste Zimmer für jedes andere Familienmitglied aus, für die Frau, die Tochter, und so weiter. In jedem Zimmer verbessere ich das Feng Shui speziell für die darin lebende Person. Für eine gute Feng Shui Beratung in einem durchschnittlichen Haus brauche ich zwei Stunden.
Sie sagten einmal: "Ein guter Feng Shui Meister ist derjenige, der seine Feng Shui Theorien in verschiedenen Kulturen anwenden kann." Hätten Sie dafür Beispiele?
Ich habe bereits in 35 Ländern Menschen beraten. Feng Shui ist sehr praktisch. Sogar in Saudi Arabien, das ja ein islamisches Land ist. Dort beriet ich die Eigentümer von Fabriken. Sie konnten ihr Einkommen in zwei Jahren verdoppeln. In der Türkei sollte ich ein Hotel nach Feng Shui Prinzipien einrichten. Seither ist es stets ausgebucht. Dann sollte ich ein anderes Hotel in der Türkei segnen. Ich fragte, ob dies kein Problem darstellen würde. Der Eigentümer winkte ab. Also gab es in einem islamischen Land ein buddhistisches Segnungs-Ritual für ein Hotel.
In welcher Kultur ist es am schwersten, Feng Shui Lehren anzuwenden?
Es geht nicht um Kulturen, sondern ums Individuum. Es gibt beispielsweise Chinesen, die nicht an Feng Shui glauben, die sagen, es sei Teufelszeug. Andererseits glauben Muslime an Feng Shui, wie vorheriges Beispiel zeigt. Feng Shui ist eben keine Religion, es ist Kunst. Muslime, Christen, Juden, in jeder Religion, in jeder Kultur gibt es Menschen, die eine Feng Shui Beratung suchen und andere, die nicht daran glauben.
Sie sind als Meister des Wassers bekannt, Ihre Wasserdrachenformeln verhalfen Menschen zu Reichtum. Was braucht es, um ein Meister zu sein?
Man nennt mich Meister und behauptet, ich sei einer der fünf Meister weltweit. Aber, sehen Sie, einige meiner Schüler sind ebenfalls Meister. Nun, ich habe 15 000 Häuser mit einem schlechten Feng Shui gesehen und konnte dies dank meiner Beratung ändern. 15 000 Häuser, was will man mehr? Das Geheimnis, sofern es eines ist, ist wohl, dass ich bis zum heutigen Tag ständig dazu lerne. Ich lerne immer. Ich vergesse eine Formel und lerne eine neue. Ich verbinde die neuen Informationen mit Erfahrung. Ich bringe mir alles selber bei, weil ich gerne kämpfe, und gerne siege. Zudem bin ich sehr praktisch veranlagt. Was ich nicht mehr brauche, vergesse ich einfach. Es wird viel zu viel Zeit mit Unsinn verplempert.
Sie sagten mal, der Titel Meister sei Ihnen gegeben worden, also müssten Sie auch die Verantwortung dafür übernehmen. Ist Ihnen dies immer gelungen?
Wenn Leute Sie Grossmeister nennen, können Sie nicht einfach sagen: «Nein, nein, ich bin kein Grossmeister». Ich habe diesen Titel mit grossem Stolz angenommen. Wenn man die Verantwortung dafür nicht tragen kann und versagt, verliert man das Gesicht. Ich bin glücklich, dass ich heute behaupten kann: ich war immer Stolz auf meine Arbeit und bin es noch.
Manche beschreiben Ihre Art zu unterrichten als "anders". Wie unterrichten Sie Ihre Schüler?
Im Gegensatz zu anderen Lehrern, die ihr Wissen nur ihrem engsten Umfeld weiter geben, bringe ich meinen Schülern meine gesamte 55-jährige Erfahrung bei, in 18 Tagen. Nach 18 Tagen sage ich ihnen, geht und wendet euer Wissen an. Wenn Ihr ein Problem nicht lösen könnt, kommt zurück. Der Unterricht ist hart. Ich bin ein fordernder Lehrer, aber auch ein sehr menschlicher. Ich unterrichte Schüler aus der ganzen Welt. Die müssen Chinesisch lernen, müssen beispielsweise wissen, wie man die 24 Berge des Feng Shui nennt. Ich habe den Schülern ein Lied komponiert, ähnlich wie das ABC, und singe ihnen die Namen der 24 Berge vor. Dann kennen die Schüler bereits 24 Chinesische Wörter und die 24 Berge des Feng Shui. Das ist schwer, plötzlich hört man all diese lustigen chinesischen Laute und sollte sie in zwei Tagen kennen. Wenn meine Schüler das nicht fertig bringen, müssen sie eben die Nacht durch lernen. Einige fangen an, zu weinen. Ich sage ihnen, weint nicht, weint erst, wenn Ihr die Ausdrücke morgen auch noch nicht könnt. Etliche dieser weinenden Schüler gehören heute zu den bekanntesten Lehrern.
Wie erreichen Sie im Feng Shui Spitzenleistungen?
Wenn man gewissenhaft lernt, hart an sich arbeitet, die Hausaufgaben macht und ständig übt, erreicht man mit der Zeit Spitzenleistungen.
Im Feng Shui spielen Geister eine Rolle, etwas womit die westliche Kultur Mühe hat. Wie erklären Sie westlichen Schülern die Geister?
Gar nicht. Ich bin der Geisterjäger. Sehen Sie, Geister existieren, wie Menschen existieren. Es kann sich um das Yin des Wassers handeln, das Yin der Bäume. Bei jedem Haus muss man an die Seelen der Erde denken, die eigentlichen Besitzer des Landes. Es gibt viele Geister, die Seelen Verstorbener zu Beispiel. Sie sind weder im Himmel noch in der Hölle, sie bleiben in dieser Welt, um eines Tages ein erleuchteter Geist zu werden, ein Buddha oder etwas Ähnliches.
Wenn wir von Kämpfen sprechen, Sie haben verschiedene asiatische Kampfstile gelernt. Auch darin sind Sie ein Meister. Erzählen Sie uns bitte mehr.
Ich habe gut zehn verschiedene chinesische Kampfstile gelernt. Shaolin Kung Fu, Tai Chi, Bagua, beinahe alles. Ich hatte sieben Lehrer. Ich wollte Kampfkunst lernen, um meine Familie, meine Freunde und mich selbst beschützen zu können. Heute bin ich die einzige Person ausserhalb Chinas, die den achten Dan in Wu Shu hat. Das ist nicht schlecht. Ich übe auch heute noch täglich. Die Übungen sind ausgezeichnet für die Organe, die Lunge, die Leber, die Nieren. Mit 80 reise ich noch um die halbe Welt und fühle mich grossartig. Dies verdanke ich auch den täglichen Übungen, heute trainiere ich 1-2 Stunden am Tag, früher waren es 4-5 Stunden.
Wie erreicht man Excellence in asiatischer Kampfkunst?
Viele Männer, die asiatische Kampfkunst ausüben, denken, es gehe vor allem um den Kampf. Das ist falsch. Wenn man exzellent sein will, muss man sehr diszipliniert sein. Ein gutes Herz und ein reiner Verstand sind zwingend. Wer das nicht hat, sollte besser auf asiatische Kampfkunst verzichten.
Sind Ihre Kinder eigentlich in Ihre Fussstapfen getreten?
Nicht alle. Einer meiner Söhne ist in der IT-Branche tätig, ein anderer im Marketing. Einer meiner Söhne und meine Tochter unterrichten Feng Shui an der Yap Cheng Hai Academy.
Sie spenden für die spirituelle Entwicklung des Buddhistischen und Taoistischen Glaubens und für Minderbemittelte. Wie wichtig ist Wohltätigkeit für Sie persönlich?
Sehr wichtig. Immer wieder kommen arme Leute zu mir und fragen, ob ich ihnen helfen kann. Ich tue mein Bestes, spende für Tempel und Schulen. Es ist darum so wichtig, weil wir nicht nur für uns selbst Geld verdienen sollten. Keiner von uns hat ein perfektes Karma. Um erfolgreich zu sein, um ein zufriedenstellendes Leben zu führen, müssen wir auch geben können.
Herr Yap Cheng Hai, was verstehen Sie grundsätzlich unter "Excellence"?
Wenn jemand arm war und heute einen guten Job hat, gutes Geld verdient, glücklich verheiratet ist und ein gutes Herz hat, das kommt Excellence recht nahe, denken Sie nicht? Wenn jemand von den meisten respektiert wird, das Richtige tut, das kommt Excellence sehr nahe. "Excellence hat mit Disziplin zu tun, mit harter Arbeit und mit dem Willen, reinen Herzens alles daran zu setzen, um seine Pläne zu verwirklichen.“
Und was erwarten Sie von einer exzellenten Bank?
Eine exzellente Bank sollte ihren Kunden helfen, Profite zu machen. Wenn eine Bank weiss, wie man klug Geschäfte tätigt und das Vermögen der Kunden in kurzer Zeit beachtlich vermehrt, dann ist diese Bank exzellent.
Das Interview wurde auf Englisch geführt.